Fußballturnier 1

Das Stadion Cebus, fotografiert vom höchsten Gebäude der Stadt, dem Crown Regency Hotel

Das Stadion Cebus, fotografiert vom höchsten Gebäude der Stadt, dem Crown Regency Hotel

Dieses Wochenende war es so weit, nachdem meine Kinder sich zunehmend für Fußball begeistern, stand das erste Turnier vor der Tür, an dem nun alle teilnahmen und ich mir einen intensiveren Eindruck davon verschaffen wollte, den ich Euch nicht vorenthalten will. Bitte nagelt mich jetzt nicht an die Wand, denn Objektivität bei diesem Thema fällt den meisten in Europa schon schwer, wie sollte ich dann hier meine Subjektivität überwinden, zumal die eigenen Kinder da mitmachen!

Vor nicht allzu langer Zeit, holte ich meinen Jüngsten vom Training ab, der mich anrief und mir sagte er wolle nach Hause. Neenee, nicht was ihr jetzt denkt, dass er mit dem Rest der Mannschaft einen Clinch eröffnet hätte, den er nicht mehr geschlossen bekam und deshalb flüchten wollte. Nein, sein Training fiel ins sprichwörtliche Wasser. Wobei Wasser ist eigentlich übertrieben, da ein paar unregelmäßige Spritzer, die im Volksmund auch unter „Tröpfeln“ verbucht werden, mich doch glatt überlegen liessen, ob sich die Mitnahme eines Regenschirms lohne. Deshalb fragte ich ihn dann auch nach dem Grund der Trainingsabsage, worauf er mir einen außergewöhnlich tiefen Einblick in die philippinische „Snob-Befindlichkeiten“ der Spielereltern bot.

So sieht Google Maps die Arena  mit dem Schwimmstadion

So sieht Google Maps die Arena mit dem Schwimmstadion

Er erklärte mir ausnahmsweise klarst und deutlichst den Grund hierfür: die Eltern möchten nicht, dass ihre Kinder im „Nassen“ trainieren, da sie sonst krank werden könnten! Aha – eigentlich macht sich an solchen Stellen eher eine gewisse Sprachlosigkeit breit, außer heute! Wir sprechen vom Fußballtraining und nicht von Schach! Deshalb wollte ich doch glatt wissen, ob die Ausrede auf seinem eigenen „Mist“ gewachsen sei. Aber er versicherte mir glaubhaft, dass dies die Worte des Trainers waren, der sich verständlicherweise nicht freiwillig mit den wohlhabenden Eltern der Sprösslinge anlegen wollte.

 

Aber bevor ich jetzt etwas unüberlegtes sage oder ein falscher Eindruck entsteht, die meisten Eltern die man von den Kindern wahrnimmt, sind nicht nur sehr sympathisch, nett und hilfsbereit, sondern auch gebildet und man merkt ihnen ihre eigene sehr gute Kinderstube an. „Amy Chua lässt grüßen“, deren Eltern von den Philippinen in die USA auswanderten und sie dieser Tage ein Buch über chinesische Erziehungsmethoden und deren Überlegenheit über die verweichlichte amerikanische Erziehung schrieb. Nicht nur dass es das Buch auf Anhieb in die Bestsellerlisten schaffte, nein es weckte bei den Einwohnern Amerikas Ängste, jetzt auch in der Erziehung von den Chinesen überholt worden zu sein. (Quelle: Stuttgarter Nachrichten)

Und nun gab es also das Turnier. Denn dieser Tage war eine Art philippinische Bundesjugendspiele angesagt, wo man die beste Schulmannschaft der jeweiligen Altersstufe ermittelte, innerhalb der Regionen für verschiedene Sportarten wie Fußball, Basketball, Volleyball usw. D.h. in unserem Falle nicht nur für Cebu City, sondern die ganze Insel Cebu, Bohol, Negros (Dumaguete und Bacolod). Da waren dann auch richtig gut trainierte Mannschaften dabei, die außergewöhnlich gut kicken konnten! Besonders unter der Berücksichtigung, dass Fußball auf den Philippinen eigentlich gar nicht existiert.

Doch zuerst waren am Freitag die Kleineren dran. Als wir unseren jüngsten Sohn brachten, ging ich zum Trainer und entschuldigte mich für unsere kleine Verspätung, die eigentlich gar keine war, da man das Spiel zu früh startete! Auch das passiert mal, gerade wenn ein Spiel zuvor ausfällt, da einer der Gegner fehlt. Nun rief der Trainer sofort einen Jungen vom Platz und schickte unseren Sohn auf Feld! Doch nicht weil man unseren „Überflieger“ bislang vermisste, sondern da der Trainer wohl Angst davor hatte, wenn wir schon persönlich bei ihm unseren Spross abliefern, den dann auf der Bank schmoren zu lassen!

Der weitere Verlauf des Spiels ordnete sich genau dieser „genialen Taktik“ unter (Ein- und Auswechslung nach Gesichtskontrolle), sodass die Jungs mit 3:0 abgefertigt wurden. Und das – ich muss es zugeben – völlig verdient! Wie verscheuchte Hühner spielten die, kein Zuspiel, Konzentration aller auf den Ball, mit dem Ergebnis einer Massenwuselei. Und dann ein Novum für mich, das ich aber die beiden nächsten Tage wiederholt sehen sollte. Denn der Anstoß zu Spielbeginn und nach jedem Tor, wurde wie ein Elfmeter durchgeführt! Ball liegt im Mittelkreis, einer nimmt Anlauf und haut das Ding direkt aufs Tor! Ja wenn es immer so erfolglos bleiben würde, wie bei meinen Jungs würden die das nicht machen. Blieb es aber nicht, denn viele Tore fielen exakt so!

Nächstes Spiel, es ist bereits dunkel. Selbe Mannschaft, neuer Gegner, auf geht’s. Hühnerhaufen gegen leicht besser sortierte Kicker, Stilrichtung „Hühnerhaufen mit Kampfhahn“. Aber die waren zwar gleiche Altersstufe, jedoch im Schnitt einen Kopf größer. Ja, ich kürze lieber ab und überspringe die Schmach! Endstand 4:0 für die Gegner. Das letzte Gruppenspiel sollte dann am Samstag morgen sein. Also nach mehr oder weniger erfolgreicher Nachtruhe, gingen wir wieder ins Fußballstadion von Cebu City. Nein das ist keine Angeberei, Cebu hat ein richtiges Stadion. Der Rasen lässt zwar schwer zu wünschen übrig, das heißt eigentlich wäre jetzt nach Ende der Veranstaltung, die Bezeichnung „Hartplatz“ viel treffender, da Grün bestenfalls noch in den Ecken zu finden war.

Das Fußballfeld ist in einen durchaus ansprechenden sportlichen Rahmen eingebunden, was man in einem Entwicklungsland nicht unbedingt erwartet: eine Leichtathletik-Bahn (die zwar weich wie ein Kaugummi war und man falls man dort stehen blieb, nur mit Mühe den Schuh aus der Klebemasse raus ziehen konnte …) ein Schwimmstadion mit 50 m Schwimmbahnen und jeweils gut ausgebauten Tribünen. Doch zurück zum Rasen. Die Mannschaften wurden aufgerufen, aber außer der Mannschaft meines Sohnes, war keiner da! So ähnlich erlebten wir das früher schon öfter bei Jugendturnieren im Kampfsport. Hauptsache angemeldet, ob man kommt – na schau’n wir mal! Also doch eine große länderübergreifende und von der Sportart unabhängige Sportlergemeinschaft. Der Schiedsrichter pfeift an, einer stürmt zum Tor und versenkt das Ei. Also drittes Spiel wird als gewonnen gewertet, hilft aber auch nicht viel, da die beiden Spiele am Vortag verloren wurden … Somit packen wir unverrichteter Dinge wieder ein und fahren nach Hause zum Mittagessen.

Der Spielplan der Mannschaften, ein komplettes Wochenendprogramm

Der Spielplan der Mannschaften, ein komplettes Wochenendprogramm

Nachmittags hat unsere Tochter ihre Gruppenspiele. Ich bin ja schon sehr gespannt, was daraus wird. Da sich die Spiele über den ganzen Nachmittag hinziehen, bevorzuge ich aber einen Sitzplatz auf der Tribüne. Immerhin Schatten, wenn ich mir auch von dem Sitzplatz einen umfangreicheren Effekt versprach! Denn obwohl im Schatten, bekam ich einen ausgewachsenen Sonnenbrand, mein Hinterteil wurde vom Sitzen schmerzhaft deformiert und mit meiner Hand werde ich wohl demnächst zu irgendeiner Rehabilitation müssen, da die „Dauerwinke“ vom ständigen Wegscheuchen der „Tubic-, Eis- und Chicharon-Verkäufer“ einfach bekloppt aussieht!

(Fortsetzung folgt …)