In den Knast! 1

Es war im Sommer 2010, ich bereitete mich auf eine längere Deutschlandtour vor. Es klopft an der Tür und ein wildfremder Mann hat einen Geschenkkarton, verpackt mit einer roten Schleife in der Hand, den er abgeben will …

Doch der Reihe nach:

Bei uns im Haus wohnt ein Iraner, den aufgrund seines Aussehens, die Kinder den „Teppichhändler“ nennen. Warum auch musste er immer in einem weißen Gewand, vom Hals bis zum Boden, herumlaufen? Naja, mir egal. Den Kindern aber nicht! Der Iraner hatte eine philippinische Frau, mit der er zwei Kinder hatte. Eigentlich hat er nur eins, doch sie hatte bereits eines aus ihrem Vorleben mitgebracht. Kann ja vorkommen, eigentlich kaum erwähnenswert. Wenn, ja wenn die Kinder nicht täglich ihren Mittagsschlaf haben müssten, den der Teppichhändler akribisch bewacht! Da er ein Stockwerk über dem Pool wohnte, hatte er in Sachen Mittagsschlaf aber die „Arschkarte“ gezogen. Denn Kinder im Schwimmbad heißt Lärm. Wie steigert man den? Setz ein paar koreanische Kinder dazwischen! Während der Ferien und am Wochenende geht das sogar automatisch …Wobei sich meine Kinder anfangs von dem einschüchtern ließen, da er das Fenster auf riss und schrie, dass er seine Mittagsruhe will. Ich sagte den Kindern, „Geduld, wenn ich den das nächste mal sehe, dann kläre ich das mit ihm. Bis dahin bitte keine Provokation.“ Irgendwann war ich mit den Kindern wieder im Pool und wir spielten eine Art Wasserball. Nicht besonders laut, aber auch nicht „eingeschüchtert leise“. Plötzlich öffnete sich das Fenster unseres Teppichfachverkäufers und er meinte etwas gemäßigter, da er bemerkte, dass nicht nur Kinder sondern auch ich im Wasser waren: „Please be quiet. My baby have to sleep!“ Ich drehte meinen Kopf nach oben und sagte lässig zu ihm „Why do you think, everyone has to follow your rules? I am not every day in the pool and not everytime I am here, the children play loud! You better train your kids, to sleep by night. But if they need to sleep while the day, I don’t understand, why you rent an appartement above the pool? Why don’t you look for other rooms? If you need silence, like in a senior residence, this is not the place for. So you better move out, we continue here, sorry! If you cann’t accept this, have a talk to the owner of the house, I accompany you!“

Er sah mich bereits in der Vergangenheit häufiger mit dem Besitzer reden und wusste, dass er hierbei ganz schlechte Karten haben wird! Da ich aber den Teppichhändler schon dabei beobachtete, wie er in ähnlichen Fällen runter stürmte und handgreiflich wurde, war ich froh meine Antwort sachlich und ruhig gegeben zu haben! Doch er gab mir dennoch eine Antwort: „Yes, that is the way I know the Nazi Germans!“ und schloss das Fenster. „Danke Du Arschloch, ich werde es mir merken!“ dachte ich mir. Es tat sich nichts mehr und wir ignorierten ihn. Nicht nur an diesem Tag, sondern generell. Erfahrungsgemäß sind das die Fälle, die sich meist von alleine lösen! Ein paar Tage später höre ich Schreie am Pool: aha, Mr. Teppich in action! Er diskutierte nicht nur mit anderen Koreanern herum, sondern schubste sie, dass die fast ins Wasser flogen. Ich dachte mir, wenn der Geschubste jetzt ein Filipino wäre, dann müsste sich unser Teppich aber schnell ein paar sehr persönliche Wachmänner besorgen! Aber es passierte nichts.

Die Fußball-WM begann und irgendwann als mich der Iraner mal wieder traf, outete er sich als Deutschlandfan. Er meinte zu mir „since 1974: Muller, Maier, Beckenbauer, … bla bla bla!“ Ich ließ mich aber nicht von dessen aufgesetzter Freundlichkeit beeindrucken, wenngleich ich mir aber auch nichts anmerken ließ. Dann kam das Spiel England-Deutschland, das die Deutschen gewannen. Am anderen Vormittag klopfte es an der Tür. Ein Lieferant wollte eine Torte abgeben, im Auftrag des Iraners, da Deutschland so souverän gewonnen hätte. Mein erster Gedanke: jetzt will er uns vergiften! Mein Sohn meinte, der will sich einschmeicheln! Aber das weitere Gespräch mit dem jungen Lieferanten und meiner Frau entkräftete meine Befürchtung. Da ich aber an diesem Tag für einige Wochen nach Deutschland fliegen sollte, aß ich dann doch noch ein Stück von dem Kuchen. Ich hätte es mir nicht verzeihen können, seelenruhig aus dem Ausland mitzuverfolgen, wie sich meine Familie in Cebu vergiftet! … Quatsch! – Neugier und Hunger trieben das Tortenstück rein!

Als ich dann Wochen später wieder zurückkehrte, berichteten meine Kinder und meine Frau, dass unser Teppichfachmann in meiner Abwesenheit freundlich war und sich stets erkundigte, da er meinen Krankenhausaufenthalt mitbekam. Als er mich dann persönlich wieder traf, bestätigte sich dies. Doch Charaktere, die mir beim ersten mal derart negativ begegnen, komme ich nicht mit wehenden Fahnen entgegen … und so war ich freundlich, wenn auch distanziert.

Vor Weihnachten dann, hatte ich ein längeres Gespräch mit unserem Hauseigentümer, wo wir uns „zufällig“ über Ausländer unterhielten. Mir fiel es damals nicht auf, aber das chinesische Schlitzohr hat das Gespräch gezielt auf diesen Punkt gelenkt! Er meinte, wenn die nicht die Miete bezahlten, er diese bei der Immigration meldet und die dann ausweisen lasse. Ich kenne ja nun auch jede Menge Ausländer und weiß, dass der Anteil der „Ganoven“ darunter extrem hoch ist. Deshalb gab ich ihm Recht und sagte ihm, dass er dennoch aufpassen muss, da der entstandene Schaden durch Mietausfälle nicht zu unterschätzen sei. Schließlich wird er von einem ausgewiesenen Ausländer kein Geld sehen und die fehlenden Einnahmen lassen sich ja auch nicht grenzenlos auf die laufenden Mieten der anderen umlegen! Er zögerte etwas in der Antwort, aber so kurz vor Weihnachten hatten wir beide dann doch keine Zeit für eine weitere Vertiefung des Gesprächs und verloren den Gedanken aus dem Blickwinkel …

Bis nun die Bombe platzte! Denn man hat jetzt den Teppichhändler verhaftet! Doch warum? Tja unser Teppich war wohl in der Tat nicht immer der Feinste, wie sich jetzt zeigt! Denn er ist ein Betrüger. Er hat 5 Monate Mietrückstand und betrieb eine illegale Arbeitsvermittlungs-Agentur, die ihm nun zum Verhängnis wurde. Dort versprach er den Pinoys einen Job und tolle Einnahmemöglichkeiten in den arabischen Ländern, kassierte dafür diese aber erst mal kräftig ab und dann … nix! Wie weit er das ganze trieb, kann ich derzeit noch nicht sagen, aber zwei verdeckte Ermittler haben ihn des Betruges überführt. Jetzt im Nachhinein wird mir auch klar weshalb der immer so scheinheilig uns gegenüber auftrat!

Unser Vermieter hat die Frau des Iraners mit ihren Kindern sehr kurzfristig auf die Straße gesetzt und das Appartement geräumt. Der Iraner selbst sitzt nun in Abschiebehaft. Sobald er das Land verlässt, wird er Dank „Blacklist“ nie mehr einen Fuß in die Philippinen setzen dürfen.

Also was lernen wir daraus? Vorsicht vor freundlichen Ausländern (ja auch deutschen Ausländern!), die wollen alle nur Dein Bestes …