EPC 3

So steige ich wieder aus dem Auto und versuche das Ganze nochmal an der Notfallsäule. Ich hebe den Deckel hoch und drücke den Knopf. Wahnsinn, ist das laut hier! Aber immerhin meldet sich nach wenigen Sekunden eine Frau (ja, eine Richtige – und nein, keine Ansage!), die mein Problem aufnimmt und mir jemand schicken will. Sie erkundigt sich noch, wie ich das Auto abgestellt habe, wobei ich das für unerheblich halte, da der Motor etwas beleidigt zu sein scheint und nicht mehr mit mir will, ich aber sowieso die Karre keinen Meter weg bewegen könnte. Sie gibt mir auch den Ratschlag besser hinter dem Auto zu warten, wegen der Auffahrgefahr …Ich schaue auf die Uhr und denke mir mal, dass ich wohl zwischen 15 und 30 Minuten auf meinen Retter warten muss. Immerhin reicht mir die Zeit aus, um eine Strategie zu entwickeln, dem ADAC-Menschen zu erzählen, warum ich weder der Fahrzeughalter, noch das ADAC-Mitglied bin. Da ich die Version jetzt habe, aber noch immer kein ADAC zu sehen ist, schaue ich mir den Straßenrand genauer an. Da hat es aber viele Ameisen vor der Notrufsäule, fällt mir so auf, nachdem die ersten dieser „Kameraden“ mir bereits auf dem Zeh herum turnen. Nachdem ich mich bei fast jeder von den Ameisen persönlich vorgestellt habe und inzwischen fast eine Stunde seit meiner Meldung um ist, klingelt das Handy. Aha, der besorgte Benz-Eigentümer, den ich wohl erfolgreich beunruhigt habe!

Er erklärt mir noch mal die Hintergründe des Tuning-Chips und der EPC-Lampe … wenn ich mich richtig erinnere hat er das sogar auf deutsch gesagt. Allerdings verstanden habe ich sowieso bestenfalls die Hälfte. Doch da rollt auch schon der gelbe ADAC-Wagen an, hält vor meiner Nase, lässt die Scheibe runter und fragt mich im breitesten pfälzischen Dialekt: „Hänn Sieh de ADAC gruuhfe?“ („Haben Sie den ADAC gerufen?“)

„Ja.“

„Awwer doo mach ich nix! Ich loss mich doch net doo umfahre!“ („Aber hier gehe ich nicht aus meinem Auto, das ist mir zu gefährlich!“)

„Glauben Sie mir bitte, das Auto springt nicht mehr an, sonst hätte ich Sie bestimmt nicht gerufen und wäre weitergefahren.“

„Doo hänn Se dann Bech! Dann missen se halt de Karre abschlebbe losse.“ („Da haben Sie Pech! Dann müssen Sie Ihr Auto abschleppen lassen!“)

„Dann muss ich ja noch länger warten. Bitte schauen sie doch wenigstens mal kurz nach.“

„Hänn Se iwwerhaubd de ADAC-Ausweis debei?“ („Haben Sie denn Ihren ADAC-Ausweis dabei?“)

Allmählich frage ich mich, bei was nur habe ich den Mann gestört …?

„Ausweis habe ich nicht, aber die Mitgliedsnummer habe ich hier.“

Widerwillig quält sich der „ADAC-Engel“, der mir allerdings bereits nach dem nur kurzen Augenblick eher wie ein „Teufel“ vorkommt, aus seinem Auto und fragt mich nach dem Schlüssel. Als sei ich zu doof einen Schlüssel umzudrehen, setzt er sich ins Auto und will starten. Na, hatten wir schon, der kann das halt auch nicht besser! Doch da steigt er wieder aus und schnauzt mich an: „Do isch känn Schbritt mäh drinn!“ („Der Tank ist leer!“)

Gänsehaut läuft mir den Rücken runter: „Das kann nicht sein. Während der Fahrt und bis jetzt hat keine Lampe geleuchtet, auch nicht an der Tankanzeige. Lediglich die EPC-Leuchte ging an, als der Motor ausging.“

„Wedde merr? Um was wedde merr?“ („Wetten wir? Um was sollen wir wetten?“) sagt er aufdringlich und streckt mir seine Hand entgegen, wie man das eben bei persönlichen Wetten so tut.

Doch da platzt mir die Hutschnur: „Guter Mann, wenn ich wetten wollte, dann hätte ich bestimmt niemanden vom ADAC gebraucht und würde dafür auch bestimmt nicht eine volle Stunde auf der Autobahn herum lungern!“

Aber besonders beeindruckt hat ihn das nicht, denn er bleibt sich treu: …

(Fortsetzung folgt)