EPC 2

Gut, ich gebe es ungern zu, aber normalerweise wäre es nicht nachteilig gewesen, zumindest zu schauen, ob von hinten was kommt oder vorne was auf mich lauert. Das hätte aber gläserne LKW’s vorausgesetzt. Und nun reicht’s zeitlich ja nicht mal mehr für ein Stoßgebet, denn hinter mir küsst bereits die Lichthupe mein Nummernschild! Und Gas geben ist auch nicht mehr, denn der Motor war definitiv tot! Also Augen zu und rechts – puuuuh … tief durchatmen, das hat gerade so geklappt! Doch was steht denn da vorne und leuchtet so orange? Hurra – eine Notrufsäule! Wie auf Bestellung. Also jetzt vorsichtig die Bremsen treten und hoffen, dass wenigstens die noch tun! JA! Sie tun und so halte ich direkt an der Säule an, auch wenn ich dafür recht heftig treten musste. Ich lebe noch, na wenigstens etwas.Allmählich fahre ich das Adrenalin wieder zurück, wobei der Blutdruck und Puls da deutlich länger für brauchen. Ich versuche zu realisieren was denn überhaupt geschehen ist? Also da hätten wir: ein stehendes Auto, einen betröppelten Fahrer und vor mir eine orange leuchtende EPC-Leuchte sowie eine Notrufsäule. Da kommt mir die Idee: Zündung aus, Schlüssel abziehen, Schlüssel neu einstecken und dann probieren wir es nochmal mit Zünden! Doch das Ding leiert vor sich hin, genauso wie „EPC“ leuchtet, Resultat: nix! „Boar Mann! Ein Königreich für ein Pferd!“

Was bedeutet denn nur dieses „E-P-C“? Also Handschuhfach auf, Handbuch raus und blättern. EPC, EPC, wo steht das blöde Ding nur? Na Mist – im Handbuch des Autoradios bestimmt nicht! Nächste Postille: Handbuch C-Klasse, genau was wir suchen. Blätter, blätter, … aha, da steht es ja: „EPC – Störung der Elektronik des Dieselmotors“, klar leuchtet doch jedem Kind ein! Lernt man heute bestimmt schon im Kindergarten! Ich ahnte es wohl schon damals, als ich als 4-Jähriger die damalige „Tante Frieda“ im Kindergarten verklagen wollte, als die uns nur beschäftigte, statt mit Mengenlehre und boolscher Algebra uns „hochbegabte Jungs“ zu fördern! Hilft aber jetzt alles nix, denn das EPC ist halt „im Arsch“! Jetzt weiß ich zwar, was nicht geht, doch wo bin ich eigentlich und wie geht mein Leben überhaupt weiter, so nahe am Straßenrand der A65. Nun denke ich mir, es wäre eventuell kein Fehler wenn ich den Besitzer des Fahrzeugs über seinen „6er im Lotto“ informiere.

Doch gerade als ich zu wählen beginne, fällt mir auf: Wo bin ich überhaupt? Also aussteigen und erst mal orientieren! Klar, da steht ein Notrufbalken. Doch wo befindet sich denn der? Mhm, beim äh, … na da schauen wir mal – Klappe auf, da steht es schon: KM 133! Aber so eine Autobahn ist ganz schön laut. Also lieber zurück ins Auto und nochmal Handy raus. Ich tippe die Nummer ein, es klingelt, doch wie meldet denn der sich heute? „Ja, ich ruf gleich zurück!“ Ende der Durchsage. Warten. Noch mehr Warten … So gemütlich wartet man denn auf der Autobahn auch wieder nicht, also schicke ich ihm eine SMS: „Vergammle auf der Autobahn und Dein Bock hat kein Bock mehr!“ Einige Minuten später hat er wohl gerade eine Arbeitspause und ruft zurück. Ich versuche das Ergebnis, sofern man da überhaupt von Resultaten sprechen kann, in Worte zu fassen. Jedenfalls habe ich wohl irgendetwas von diesem EPC erwähnt, denn er antwortet mir: „Ja das mit dem EPC hatte ich auch schon mal. Wahrscheinlich ist der Tuning-Chip von der Hitze durchgebrannt. Den muss man dann zurücksetzen … Ich gebe Dir auf jeden Fall mal meine ADAC-Mitgliedsnummer durch.“

Nun erinnerte ich mich, dass die SIM-Karte meines Handys einen „ADAC-Notruf“ hatte. Und falls dies kein Notfall ist, dann weiß ich aber auch nicht … Also drücke ich am Handy den Namen für den Notruf und es klingelt! Aha, eine Frauenstimme begrüßt mich: „Dies ist der ADAC-Notruf – Guten Tag! Falls Sie wirklich einen Notfall haben und Hilfe brauchen, dann drücken Sie jetzt bitte die 1!“ Ja geht’s noch? Mein Blutdruck erinnert sich bereits an seinen vorherigen Höchststand … Ich liege mit dem Auto auf der Autobahn rum, mir ist langweilig und spiele deshalb mit dem Notruf des Automobilclubs oder was denkt sich der ADAC bei so was? Also ich drücke die 1 und die Stimme des ADAC-Engels empfiehlt mir: „Bitte haben sie etwas Geduld, sie werden mit dem nächsten freien Mitarbeiter verbunden.“ Nach der dritten Wiederholung dieser Ansage und der erquicklichen Fahrstuhlmusik dazwischen, stelle ich fest, doch nicht so viel Geduld zu haben, zumindest ist heute mein Notfall größer als die Geduld …

(Fortsetzung folgt)