Ultradünn 1

Kaum zu glauben, aber da ist man nur ein paar Monate weg aus Deutschland, kommt zurück und dann das! Ja, auch bei den Germanen gibt es Fälle wo Dir das Lachen gefriert! Doch nicht nur wegen der Bürger deutscher Abstammung, denn da gibt es noch andere Nationalitäten, die es auch faustdick hinter den Ohren haben können, wie folgende Deutsch-Schweizer-Coproduktion beweist!

Doch zunächst lassen wir die Geschichte beginnen, nämlich zu einer Zeit zu der die Welt noch in Ordnung war, oder zumindest so schien. Nämlich als ich mich allmählich beruflich etablieren konnte und endlich zum ersten mal in meinem Leben, mehr Geld verdiente, als ich auf herkömmlichem Wege ausgeben konnte. So kaufte ich mir als Belohnung damals vor mehr als 20 Jahren, eine „Movado Museumsuhr“.

Diese ist bis heute auch mein einziges Schmuckstück geblieben, das ich trage. Eine edle Armbanduhr, die zwar schlicht – aber doch elegant aussieht. Wer wissen will wovon ich rede, kann bei Google nach einer gewissen „Movado Museumsuhr“ suchen, da gibt es dann gleich einige verschiedene Versionen davon. Meine hat ein schwarzes Ziffernblatt mit einem golden Punkt zur Markierung der 12, sonst nur zwei schlanke goldene Zeiger und ein ultradünnes goldenes Gehäuse, das gerademal rund 2 mm dick ist. Der Kaufpreis des schweizer Zeiteisens, war allerdings umgekehrt proportional zu seiner Dicke. Sonst wäre der Kauf ja auch keine Belohnung sondern eher eine Bestrafung gewesen!

Nach rund einem Jahr Betriebsdauer, blieb die Uhr das erste mal stehen. Der erste Batteriewechsel stand an und das war dann gleich einer mit „Erinnerungsfunktion“, den man nämlich so schnell nicht vergißt: denn der kostete etwa 30 DM. Das war auch vor 20 Jahren schon richtiges Geld, für das andere eine ganze Uhr kauften, wenn auch keine für oder aus dem ‚Museum‘. Doch jedes Jahr sollte der Batteriewechsel teurer werden, bis zuletzt etwa 40 Euro. Doch dann kam ja der Umzug in die Philippinen – und Mist, die Uhr bleibt natürlich auch dort irgendwann stehen! Das Lebensgefühl kann war eine Uhr ersetzen, nun mal aber keine Uhrenbatterie!

OK, fairerweise sollte ich dazu sagen, dass ich nur ab und zu die Uhr trage, da ich zum einen meist generell keine Uhr mehr brauche – ich lebe mehr nach meiner inneren biologischen Uhr, zum anderen mich nicht zum Ziel von Räubern, Dieben und Gendarmen machen will (bei aller Schlichtheit – Fachdieb bleibt Fachmann!) und drittens nicht immer Lust auf dieses Schmuckstück habe. Also wartete ich auf den nächsten Auslandsflug, um die Batterie zu wechseln, da ich ja Zeit habe! Denn sowas lässt man in den Phils besser nicht machen – da fehlt mir das Vertrauen dazu. Hinterher bekommt man dann die Ersatzteile einzeln oder billig kopierten Schrott zurück – falls der Wecker überhaupt noch tickt!

Nun war es soweit und ich ging in Deutschland zum Juwelier, wo ich damals das Stück erstanden hatte. An der Tür bekomme ich meinen ersten Schock: denn die Tür ist verschlossen und das am hellichten Tage, mitten in der Fußgängerzone einer mittelgroßen deutschen Stadt! Doch bevor ich meine Augen auf die Suche nach dem Schild mit den Öffnungszeiten schicken kann, da kommt auch schon jemand von innen an die Tür, schliesst auf und bittet mich freundlich herein. Da er hinter mir die Tür wieder sofort verschließt, schaue ich mir den „Pförtner“ doch mal genauer an. Aber der Anblick versetzt mich mit einem Schlag tausende von Kilometern auf die Philippinen zurück: denn der Mann am Schlüssel war ein bewaffneter Wachmann, mit Betonung auf „Wach und Mann“! Ein durchtrainierter Riese, freundlich, nett, aber Respekt einflössend. Etwa vergleichbar, wenn man in den Philippinen aus 10 Securityguards (6 mit Pumpguns bewaffnete Geldboten, 2 aus dem Inneren der Bank, einem aus dem Einkaufszentrum und einem weiblichen Guard aus dem Kosmetikfachgeschäft) diesen hier gebastelt hätte!

Fast hätte ich die Begrüßung der Verkäuferin überhört, so fasziniert war ich von seinem Anblick. Denn die privaten Wachdienste in Deutschland, nicht auffällig postiert sondern in dezenter Zurückhaltung beim Einkauf, waren mir neu.

„Deutschland, Du änderst Dein Gesicht …“ schießt es mir durch den Kopf.

(Fortsetzung folgt)