Weihnachts-Traum(a) 7

Doch zunächst muss ich mich mit ganz anderen Sorgen herum schlagen, denn es traute sich wieder keiner ins Zimmer rein, nachdem ich mich bei der Schwester über mein bescheidenes Pinkelergebnis beschwert habe! Da sagst Du ein einziges Wort und schon sind alle beleidigt! Gibt’s doch nicht! Ihr Spinner mit eurem Gesichtsverlust – dann tackert halt das Gesicht besser an, wenn ihr das laufend verliert! Mir hört kein Schwein zu, nur weil ihr euer Gesicht sucht. Finde ich alles nur nicht lustig! Ich bin doch der Patient und mir gehts toll oder was? Oh Mann in meinem nächsten Leben werde ich auch Nurse oder Doctor, aber nie mehr Patient – ich schwör’s euch! Doch dann endlich öffnete sich vorsichtig die Tür und langsam bewegte sich immerhin der Anästhesist in den Raum. Seinem Gesichtsausdruck nach zu folgen, hat man ihn vor der „White Lady“, den Zwergen und dem Teufel, sowie vor mir gewarnt! „Ist der über Nacht geschrumpft?“ denke ich mir. Ich erklärte ihm dann relativ ruhig die Lage und sagte ihm, dass wegen des Urins ich mich an meine letzte Kathedererfahrung erinnert fühle und mein Rücken keine Einstichstelle ertasten lasse und auch kein Pflaster trage. Ausserdem sei ich doch bei der OP nicht teilnarkotisiert gewesen, sondern habe eine Vollnarkose erhalten!

Er grübelte und meinte dann nach einer Weile: „Also der Einstich im Rücken erfolgt normalerweise ohne Komplikation und ist sehr klein. Wir haben da zwar ein Pflaster drauf geklebt, das ist aber wohl abgefallen. Aber das kann passieren. Wegen der geringen Urinmenge sollten Sie sich mal keine Gedanken machen, da Sie während der OP stark dehydriert sind. Das heißt, die Flüssigkeit welche wir ihnen heute Nacht per Infusion gaben, hat das erst mal ausgeglichen. Deshalb ist es auch völlig klar, dass dann kaum Urin entsteht. Im Laufe des Tages wird sich das ändern. Außerdem die Farbe des bisschen Urins, deutet nicht darauf hin, dass die Harnwege den Rest zurückhalten, sondern wirklich nur sehr wenig entstand, dafür ist der aber auch konzentrierter.“

Da hatte er allerdings wohl Recht, was mir eigentlich selbst hätte auffallen müssen. So sagte ich ihm, dass er anscheinend Recht hatte und ich ihm den Rest auch glaube, hatte an der Stelle sowieso keine andere Chance. Jedenfalls beruhigte mich das ganze Gespräch mit dem Arzt doch erheblich. Nun wollte ich noch den Besuch des Chirurgen abwarten, was der denn meinte. Zuvor kam aber dessen Adjutant entfernte den alten Verband, desinfizierte die Wunde und verschloss mit einem kleineren neuen Pflaster. Er meinte noch, dass es sehr gut aussähe, er aber noch auf den Chirurgen warten wolle.

Als der dann kam, schaute der nur noch auf seine Papiere und meinte, dass ich wieder nach Hause zu meiner Familie könne. Bis denn alles dann erledigt war und der Rest von der Gesamtsumme in Höhe von rund 95.000 Pesos (damals etwa 1.500 Euro) beglichen waren, sowie ich die Medikamente für die nächsten Tage hatte, vergingen noch eine Weile. Entspannt und froh gelaunt, auch wenn ich von der OP noch massive Schmerzen hatte, fuhren wir nach Hause. Ich lebe noch und das ist das Wichtigste was bei mir hängen blieb. Wir feierten zusammen Weihnachten, zwar etwas verspätet … und sind froh, dass keiner in der Runde fehlt!

Wir werden künftig schauen, wie wir solchen Situationen vorbeugen können. Denn die Philippinen sind ein Entwicklungsland, das für spezielle Anliegen vielleicht auch Spezialisten hat, aber dann sind die dünn gesät! Wer vom tollen medizinischen Umfeld hier redet, schöpft seine Aussage aus mangelnder Erfahrung oder aus viel Glück! Doch für einen Husten brauche ich keinen Arzt … Wenn man schaut wie viele Todesfälle auf Herzinfarkte und Hirnschläge bei westlichen Besuchern in den Philippinen zurückgehen, die alle noch leben könnten, wenn man nur schnell genug die richtige Behandlung ergreifen können hätte, bereitet mir das mehr als ein Stirnrunzeln! Wer für sich selbst zu anderen Schlüssen in seiner Einschätzung kommt, für mich kein Problem. Jeder nach seinem eigenen Gusto.

Und so muss ich dann abschließend doch folgendes feststellen: wäre mir etwas ähnliches außerhalb der beiden Regionen um Cebu City oder Manila passiert, z.B. bei einem Ausflug, einem Verkehrsstau oder einer Überfahrt, und ich wäre operiert worden ohne vorher nochmals zum Bewusstsein zu kommen, dann wäre ich sicher verstorben oder in ein Koma gefallen. Als Filipino, der das Geld nicht nackt auf den Tresen legen kann, sowieso!

Leute, einfach mal darüber nachdenken: … next Xmas is coming, Ihr werdet noch gebraucht!

Weihnachts-Traum(a) Teil 1
Weihnachts-Traum(a) Teil 2
Weihnachts-Traum(a) Teil 3
Weihnachts-Traum(a) Teil 4
Weihnachts-Traum(a) Teil 5
Weihnachts-Traum(a) Teil 6
Weihnachts-Traum(a) Teil 7

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Auswandern - Den Kulturschock überwinden