Weihnachts-Traum(a) 6

Oder bin ich jetzt doch schon im Himmel? Nee, dort müsste es sauberer und geordneter sein, falls mich jetzt nicht alle angelogen haben. Denn nur die Wenigsten – wenn überhaupt – werden glaubhaft vorher zu Besichtigungen dorthin eingeladen! Und ich war da nicht dabei, also woher sollte ich das wissen? Aber dann meinten die doch glatt „ich sei der Nächste“? Aber wofür? Doch vorher wollten sie den leeren Platz neben mir erst wieder auffüllen. So richtig kapiert hatte ich das in dem Moment wohl nicht. Dann brachten sie mich aber doch zurück aufs Zimmer, wo ich plötzlich meine Frau und meine Töchter wieder erkannte, die schon auf mich warteten. Allerdings meine Beine waren taub und ohne Gefühl, sodass ich mich nicht bewegen konnte. Wohl aber nicht nur die, denn auf Fragen habe ich nur murmelnd geantwortet. Die Zunge war noch schwer und träge, der Mund klebte und lies sich nur schwer öffnen. So reichte es an diesem Heiligabend auch nur dazu, meine Besucher nach Hause zu schicken. Denn wenn ich in dem Moment auch nicht den frischesten Eindruck machte, so realisierte ich dennoch, dass das Krankenhauszimmer auch mit mir drin, wenig Weihnachtsstimmung ausstrahlte oder gerade deswegen? Wie dem auch sei, zuhause geht es auch ohne mich weihnachtlicher zu als hier, also … „Happy Xmas!“

Später kam der Anästhesist und fragte mich ob ich meine Finger bewegen könne. Da ich das doch tatsächlich noch schaffte, war er gleich gut gelaunt und obwohl ich noch nicht viel denken konnte, kam mir in den Sinn „Dann ist immerhin einer von uns beiden glücklich!“ Er meinte „Siehst Du alles ok, nix passiert“, verabschiedete sich zügig und zog hinter sich die Tür zu, während ich ihm sagen will „Happy X … Dann pups Dir doch in die Hose – Du Vollidiot!“ Aber ich war noch zu benommen um weiter nachdenken zu können und fiel wieder in den Schlaf. Irgendwann folgten noch weitere Leute, wer? Keine Ahnung, Bahnhof eben!

Lediglich als die Nachtschwester wegen dem Blutdruck messen kam und sie wieder den selben Wert ermittelte, fragte ich sie, ob es denn wirklich erforderlich sei, die ganze Nacht hindurch dies zu tun, da ich eigentlich lieber schlafen würde und ungern im 30-Minutentakt zum Puls messen geweckt werden möchte. Wow! Diplomatie unter Drogeneinfluß? Da war sie aber schon beleidigt und sagte, sie gäbe den Kolleginnen Bescheid, was auch gleichzeitig mein letzter Kontakt zu dem holden Wesen war. Naja zum Messen kamen sie wohl wirklich nicht mehr, dafür kam gleich darauf eine Kollegin, um eine neue Infusionsflasche aufzuhängen. „Wozu das denn?“ fragte ich nach. „Wegen Schmerzmittel und Antibiotika.“ War wohl wieder nix, diese „scheiß“ Infusionsnadel endlich loszuwerden. Dadurch ergab sich dann aber kaum mehr Ruhe als in der letzten Nacht.

Als ich morgens von meinem Wecker wach wurde, um meine Tablette zu nehmen, machte ich mir so meine Gedanken, soweit dies so früh am Morgen in einem Hospitalbett überhaupt möglich ist. Wie war das jetzt nochmal: in der Nacht haben die mir mehr als 2 Liter Wasser per Infusion durch die Venen gejagt, die aber von den Nieren völlig ignoriert wurden. Denn das Schnapsglas voll Urin, war höchst verdächtig und vor allem viel zu wenig – spielen da schon die ersten Auswirkungen eines vorher verbotenen Kathedereinsatzes rein? Und warum überhaupt hatte gestern der Anästhesist es so eilig? Bei einer Spinalanästhesie sollte doch wenigstens ein Pflaster und vielleicht ein bisschen Schmerzen im Rücken zurück bleiben? Aber da war kein Schmerz und kein Pflaster, dafür aber auch kein Pinkeln!

Logische Konsequenz am frühen Morgen: VERSCHWÖRUNG !!! Mist, die ‚Schweine‘ haben mich gelinkt! Aber wenigstens den Anästhesisten sollte ich sprechen und meine Frau. Also wie war das jetzt mit der Reihenfolge? Zuerst Frau anrufen! Doch was ist da los? Als ich sie anrufe „Wieso weckst Du mich so früh am Feiertag? Ist was passiert?“ „Ob was passiert ist? Na Du bist ja cool! Dann erst mal frohe Ostern!“ Ich erkläre ihr alles, bzw. ich versuche es zumindest und sage ihr „Also nachher kannst Du mich, wenn ich mit den Ärzten gesprochen habe, hier abholen. Aber ich rufe Dich nochmals zuvor an. Jedenfalls hier bleibe ich keine Sekunde länger als absolut erforderlich! Und erforderlich ist im Moment garnix! Also hol‘ mich hier raus, sonst krieche ich auf allen Vieren heim!“

Weihnachts-Traum(a) Teil 1
Weihnachts-Traum(a) Teil 2
Weihnachts-Traum(a) Teil 3
Weihnachts-Traum(a) Teil 4
Weihnachts-Traum(a) Teil 5
Weihnachts-Traum(a) Teil 6
Weihnachts-Traum(a) Teil 7

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Auswandern - Den Kulturschock überwinden