Weihnachts-Traum(a) 5

Denn er sagte was von Spinalanästhesie über die Wirbelsäule. Meine Begeisterung sackt auf Null. Wieso muss der mir in der Wirbelsäule rumfummeln? Den Mist kenne ich doch schon von der Entbindung zweier meiner Kinder und weiss, dass dies alles, nur kein Kinderspiel ist. Aber der Arzt setzt noch einen drauf, nachdem ich ihn frage: einen Harnkatheder will er mir setzen! Aua – meine Abwehr wandelt sich in Kampfstimmung! Ich sage ihm, bei der letzten OP ging das schon schief und hätten die damals nicht das Ganze zurückgezogen, hätte ich die OP platzen lassen. Trotzdem hatte ich tagelang höllische Schmerzen beim Pinkeln und später eine ausgewachsene Harnwegsinfektion. Also nix Katheder! Er merkt er kommt nicht durch, nachdem ich seinen Versuch abwehrte, mir wenn die Narkose sitzt, das Ding einzuführen. Also: kein Adrenalin, keine Vollnarkose, kein Katheder! Aber als Kompromiss eben Spinalanästhesie. Ich rufe meine Frau an, ihr ist das auch nicht geheuer. Sie will morgens vor der OP nochmals mit dem Arzt sprechen – auch Recht. Vielleicht kann sie ihm ja noch eine Idee entlocken. Statt Nachtruhe folgen mit etwas größeren Unterbrechungen permanente Besuche von Pflegern und Schwestern. Der eine bringt Tabletten, der nächste will unbedingt eine Infusion legen, eine packt mir Eis auf den Bauch, dann Blutdruck messen, Fieber und Puls, aber nicht nur einmal – nein wohl im Stundentakt. Mir kommt es vor als versuchten die mir die Nacht mit Gewalt im Kurz-zeit-takt kaputt zu klopfen.

Am nächsten Morgen will man von mir meine Unterschrift zur Anästhesie-Aufklärung. Aber ich verweigere die, da der Typ noch mal darüber nachdenken soll, ob er denn wirklich keine andere Lösung hat! Die Schwester zuckt wegen meiner Worte zusammen, dreht um und verschwindet. Schon beleidigt – Pech gehabt! Keiner zu hören, keiner zu sehen. Wahrscheinlich tuscheln die jetzt vor der Tür, „Ob da der Teufel wohnt?“ Irgendwann traut sich einer die Tür aufzumachen, aha der Anästhesist. Ich erkläre ihm meine Bedenken wegen der Spinalanästhesie, er meint aber aufgrund der Einschränkungen, keine Alternative zu haben. Mir bleibt dann doch nichts anderes übrig, als zu unterschreiben, schliesslich will ich nicht wegen eines lächerlichen Nabel-Bruches jämmerlich an Weihnachten krepieren! 24.12. ist zwar Heiligabend, aber kein allzu leckerer Sterbetag! Da hört man ja geradezu die ungeborenen Enkel sagen: „Jaja, an Weihnachten ist unser Opa gestorben!“ Nix is – den Gefallen muss ich Euch verweigern!

Das Abholkommando kommt und überzeugt sich, dass mein Engelshemd auch ordentlich angezogen ist. Man schiebt mich samt Bett Richtung OP. Vorm OP bremst einer plötzlich ab. Eine Schwester fragt: „Welche Religion?“ Verdutzt schaue ich meine Frau an, da ich das für den falschen Zeitpunkt halte um über irgendwelche „Glaubensfragen“ mir Gedanken zu machen. Im Zweifelsfall glaube ich im Moment sowieso nur verunsichert zu sein und trotz Weihnachten nicht mehr oder weniger religiös! Aber mit Religion hatte das doch nix zu tun – oder? Meine Frau meint, die fragen ob ein katholisches Gebet in Ordnung sei? Na wenns denen gut tut, von mir aus. Aber auf den Voodoo könnte ich gerne verzichten, Fachkompetenz wäre mir eigentlich lieber! Aber da murmelt schon irgendeine Tante hinter mir „Oh our father in heaven … (2 Minuten später) … Amen!“ Doch bevor ich „Hallelujah FERTIG“ sagen kann, macht sie weiter „And our Mother Mary and all the Saints … (wieder 2 Minuten später) … Amen!“ Denke mir noch, hoffentlich habe ich sie jetzt nicht mit meiner Teilnahmslosigkeit verärgert … so gebetsmühlenartig wie die das runterleierte!

Und dann gings rein in den OP. Was mir sofort auffiel mit meinem Flügelhemdchen, war die ’saukalt‘ eingestellte Aircon. Bis die Ärzte kamen, war ich reichlich durchgekühlt und zitterte und bibberte vor Kälte am ganzen Körper. Einer spritzte was in die Infusion und irgendwer meinte was mit ‚zur Seite‘ drehen. Danach folgte ein Filmriß … Irgendwann bemerkte ich ein Gezappel in der Bauchgegend und irgendetwas Unkomfortables am linken Arm. Ich stammelte etwas und wollte wohl die Situation artikulieren. Doch die Folge daraus war aber nur ein Nachspritzen, was mir doch glatt den zweiten Filmriß bescherte. Tja und dann kehrte die Erinnerung in einem Zimmer zurück, dessen Sauberkeit, Hygiene und Aussehen mich stark an eine Besenkammer erinnerten: „Aha, das ist also der Aufwachraum“. Erkennbar an einem Kruzifix über der Tür und den zwei Pflegern, die gerade zur Tür vorne links, meinen rechten Nachbarn rausschoben. Lebt der noch?

Weihnachts-Traum(a) Teil 1
Weihnachts-Traum(a) Teil 2
Weihnachts-Traum(a) Teil 3
Weihnachts-Traum(a) Teil 4
Weihnachts-Traum(a) Teil 5
Weihnachts-Traum(a) Teil 6
Weihnachts-Traum(a) Teil 7

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Auswandern - Den Kulturschock überwinden