Weihnachts-Traum(a) 3

Auf dem Zimmer angekommen, will ich dann auch gleich meinen Verpflichtungen nachkommen und erst mal pieseln. Wohin? Na klar in das „Plastikbecherchen“. Also ich bin gerade auf meiner Toilette … ja ich gebe zu, das Einzelzimmer ist ein Luxuszimmer und hat ein kleines Luxus-Bad mit Luxus-WC! – Alternativen zu dem Zimmer gab es ohnehin keine für einen Foreigner, der den Luxus in Anspruch nimmt, einen Tag vor Heiligabend sich unbedingt in diesem Hospital einquartieren zu wollen! Außer eben der bereits erwähnten Sterbevariante! Aber lassen wir lieber die philosophischen Betrachtungen bei Seite, denn es gibt wichtigeres zu tun – richtig: ganz schlichtes Becherauffüllen!

Nun bin ich gerade bei meinen Zielübungen in Sachen „triff den Becher“, da klopft doch einer an der Tür? Da ich zu langsam reagiere, nochmal „klopf klopf“. Was ist denn das? Während ich meine Beweglichkeit teste und den Hals mit dem Kopf darauf zur Tür raus drehe, gleichzeitig das andere Ende noch immer in Richtung Becher zeigt, rufe ich „Please wait a minute, I am on the CR!“ Ok, Message kam an und wurde überraschender Weise sogar verstanden, der Herr macht die Tür von außen wieder zu. Na das ging ja gerade noch mal gut, jetzt aber schnell auffüllen und abgeben.

Das „Becher-Empfangskommittee“ befindet sich schräg gegenüber meines Zimmers. Ich frage sie, ob sie den Behälter ausnahmsweise auch unverpackt als Weihnachtsgeschenk akzeptieren können? Doch Mist, mein Aufheiterungsversuch ging schon wieder daneben, wie der Blick auf die „Dejavu“-Girls offenbarte! Also gebe ich meinen Becher ab und setze eben doch wieder ein ernsthaftes Gesicht auf. So frage ich den Herrn in dunkler Kleidung, ob er gerade zu mir wollte. Ja, meinte er, denn er sei ein externer Neurologe, den man beauftragt habe mich jetzt vor der OP wegen meiner Erkrankung zu testen. Vielleicht hat ja meine nicht ganz alltägliche „Krankengeschichte“ etwas Vorsicht geweckt. Doch ich befürchte mehr, dass die Vorsicht hier etwas profaner veranlagt ist und vielleicht sogar Pesos heißt? Doch mir hilft das jetzt alles nichts!

Also lässt mich der Arzt im Flur hoch und runter marschieren, führt diverse Bewegungschecks durch, eben die ganzen Tests um die Erkrankung überhaupt zu diagnostizieren … ich frage mich, will der jetzt schauen, ob ich überhaupt krank bin? Zum Glück merkt er aber, dass er da wohl falsch gewickelt ist, denn ich erkläre ihm, dass es in den Philippinen nur einen einzigen Arzt gäbe, der sich mit meinem Schrittmacher laut Hersteller überhaupt auskennt und das sei Dr. Hamoras im St. Lukes in Manila.

„Oh ja,“ meinte er „der ist der Einzige!“

„Na dann ist gut! Nur was willst Du von mir, ausser einem Weihnachtsgeschenk in Pesos?“ denke ich noch und frage ihn:

„Kennen Sie ihn?“ Da mir das Ganze sich viel zu rund von ihm anhörte!

„Nein, ich kenne ihn nicht.“

Na toll, wieder ein Griff ins Klo. Wie befürchtet ein Blablaheimer, der keine Ahnung hat, die aber sehr geschickt verteilt! Daraufhin schien mir der Neurologe alle seine weiteren Beurteilungen und Statements per Blickkontakt zu klären. Denn Fragen hatte der jedenfalls keine mehr! Und irgendwelche anderen Kunststücke wollte er auch nicht mehr von mir sehen. Gut ist mir auch Recht. Jedenfalls meinte er noch, Dr. Hamoras wegen der OP später telefonisch kontaktieren zu wollen. Vielleicht sollte mich das beruhigen, es tat es aber nicht. Ich und meine „katastrophalen Vorahnungen“ …

Ich gehe wieder auf mein Zimmer … nun ja Zimmer? Was für ein Zimmer überhaupt? Das ist kleiner als eine Gefängniszelle! Wie man hier überhaupt ein Bett rein schieben kann? Ich muss mich irgendwie zerstreuen, denn sonst kriege ich in dieser Hundehütte noch einen Inselkoller! Immerhin hat es einen kleinen Fernseher mit Fernbedienung. Widerwillig zappe ich durch die Programme. Das Programm scheint mir an Niveau kaum mehr zu unterbieten zu sein. Zwischen Weihnachtsmusik und der superbeknackten „Wowowee“ Show, plötzlich ein Lichtblick: „Discovery Channel“. Na besser Löwen visuell auf der Beutejagd begleiten, als den oberbescheuerten Wowowee-Moderator auch nur anschauen zu müssen, da der ständig so peinlich über seine eigenen Pseudowitzchen lacht oder es zumindest versucht, unterstützt von einer Lachmaschine.

Es klopft an der Tür! Hurra, jetzt kommt Abwechslung. Doch zu früh gefreut …

Weihnachts-Traum(a) Teil 1
Weihnachts-Traum(a) Teil 2
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Auswandern - Den Kulturschock überwinden