Weihnachts-Traum(a) 2

Es folgten in den nächsten Stunden eine richtig gute Frequentierung von männlichen und weiblichen Ärzten, Schwestern, Pflegern, Rollstuhltransporteuren, wobei ich noch immer am Recherchieren bin, ob das letztgenannte ein eigenständiges Berufsbild ist? Ich komme mir vor wie auf einem Bahnhof, wo man mich zum Beobachten geparkt hat, allerdings das Abholen vergass! Einige Zeit später fährt mich dann doch ein junger Mann mit einem Rollstuhl zum Röntgen. So ein „manuelles Kurzstreckentaxi“ hat was, merke ich. Alle springen mitleidig zur Seite und machen mir Platz, bis … ja unsere eigenwilligen ‚Sisters‘ in der Pinguin-Verkleidung, die wohl schon aufgrund ihres Alters etwas angerostet sind. Also Röntgenabteilung zu zwei Mädels. Die meinen noch „bitte alle Prothesen und Zahnersatz rausrehmen“ … Wie bitte? Sehe ich denn aus wie ein Tattergreis? Na sehen wir es ihnen nach.

Jedenfalls halte ich es für viel wichtiger, zu kontollieren, dass mich diese „wissenden“ Nurses nicht mit magnetischen Wellen beschiessen, wie z.B. ein MRT-Gerät. Denn das bekäme meinem „Schrittmacher“, den ich wegen meiner Parkinson-Erkrankung habe (vielleicht bin ich ja ein Snob, aber der feine Herr von Welt, trägt das heutzutage!) gar nicht gut. Und ratz-fatz auf die nächste Umlaufbahn? Nö – muss nicht! Ich erkläre es ihnen und frage „Deep Brain Stimulator? Elektrodes, Wire, … ???“ Ich merke, reine Zeit- und Energieverschwendung, gehe zum Apparat und schau mir den selbst an. Nöö, das ist ein ganz normales Xray, ein Siemens-Röntgenkasten mit Bildaufnahme, noch nicht mal digital – also eher harmlos. Die Mädels sind verunsichert, ich versuch sie zu beruhigen, dass sie einfach ihr Vorhaben wie geplant zu Ende bringen sollen. Halt so gut wie sie es eben können …

So machen sie dann doch noch die Aufnahme. Aber erst wollten sie checken, ob es was geworden sei, bevor sie mich zurück bringen lassen. Nach einer Weile kommen sie ganz ungläubig mit einem sehr fragenden Gesichtsausdruck und dem Röntgenbild meines Oberkörpers zurück. Irgendetwas darauf hat sie wohl derart irritiert, dass sie mich anschauen, als sei ich ein Ausserirdischer. Sie fragen mich Dinge, wo ich sogar ins Grübeln darüber gerate, ob das jetzt sehr spezielle Fachausdrücke sind oder eine mir bislang unbekannte Sprache. Doch plötzlich vermute ich des Rätsels Lösung, will aber keine voreiligen Schlüsse ziehen und sage zu den beiden „Dann zeigt mal her.“ Ich kann mich kaum halten vor Lachen. Klar, auf dem Bild verläuft das Kabel meines Schrittmachers über den Brustkasten, wie ein ‚Bandwurm‘ durch die Brust. Also nochmal ein Versuch: „That’s the wire from my Stimulator. I told you already. …???“ Aha, irgendwie machen sie den Eindruck, dass sie noch immer nix kapiert haben, aber froh sind dieses „Alien“ wieder los zu werden.

So kehre ich dann wieder auf gleichem Wege wie zuvor, gefahren von meinem ganz persönlichen Rollstuhltaxi, zurück zum Sisters-Plakat in der Emergency. Eine andere Schwester kam und wollte ein EKG machen. Da ich bereits weiß, dass sie ohne Abschalten meines Generators kein Ergebnis zu Papier bringen wird, frage ich sie, ob ich es jetzt abschalten soll. „Mhhmmm, ähhh?“ Nein, brauche ich nicht, meint sie. Hat wohl ein „supermodernes“ Gerät, denke ich mir. Doch dann – Überaschung: hatte sie natürlich nicht, denn … soviel Kopfschütteln wie nun bei ihr folgte, bereitete mir fast „altmodische“ Kopfschmerzen. Also neuer Anlauf, „Deep Brain Stimulator, here is my Remote to turn off. OK?“ Also dann eben doch – nur warum nicht gleich so? Und Wunder der Technik, klar jetzt druckt der Kasten sogar noch ein brauchbares EKG!

Nach einigen weiteren Untersuchungen und Tests, drückte mir eine Nurse ein Plastikbecherchen in die Hand, meinte sie lässt mich jetzt aufs Zimmer bringen und dort dürfte ich dann in das Plastikteil pinkeln. „Ich werde mich versuchen an die richtige Reihenfolge zu erinnern!“ meinte ich noch scherzhaft zu ihr. Doch ihr fragendes Gesicht verrät mir „Falls das ein Witz war, hab ich den nicht kapiert oder finde ihn zumindest nicht lustig!“ Denn ich erinnerte mich an unseren ehemaligen Fahrer Nong, dem sie den Ablauf wohl besser in Teilschritten erklärt oder um sicher zu gehen ein Bild gemalt hätte …

Weihnachts-Traum(a) Teil 1
Weihnachts-Traum(a) Teil 2
Weihnachts-Traum(a) Teil 3
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Weihnachts-Traum(a) Teil 5
Weihnachts-Traum(a) Teil 6
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Auswandern - Den Kulturschock überwinden