Weihnachts-Traum(a) 1

Es ist der 21. Dezember 2009, also nur noch 3 Tage und dann kommt der Weihnachtsmann zu uns – und das sogar auf den Philippinen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das immer noch bei über 30°C, ohne Glühwein, Blitzeis und Schnee! Dafür aber huste und schnupfe ich seit ein paar Tagen wie die personifizierte Seuche. Also gehe ich vorsichtshalber doch mal wegen der Erkältung zum Arzt, damit ich bis zum Fest wieder fit werde. Nun der meint das sei eine Sinusitis, also eine Nebenhöhlenentzündung – ok hatte ich schon mal, halb so schlimm. Er verschrieb mir ein paar Medikamente und im Laufe des Folgetages trat bereits Besserung ein. Aber plötzlich schmerzte mein Bauchnabel, der zwar schon eine Weile wegen eines bereits vorhandenen Nabelbruchs mal operiert werden sollte – aber da der sonst keine Probleme machte, ich mich zum Ignorieren entschloss. Nun aber bedingt durch den starken Husten begann dieser jedoch dauernd zu schmerzen!

Zu meiner Ehrenrettung darf ich vielleicht noch ergänzen, dass so lange etwas keine Schmerzen bereitet, es niemandem wirklich leicht fällt einzusehen, warum er dann ins Krankenhaus gehen sollte und dies operieren lassen muss – oder? Man ist ja kein Weichei! Außerdem: schlechte Metzger gibt es ja weltweit. Jedenfalls war es immer so, dass wenn der Bruch aufgrund von Anstrengung wie z.B. kräftigem Husten etwas hervortrat, ganz problemlos und schmerzfrei wieder zurückging. Nur im Laufe des 22. Dezembers wurde das Ding jedoch störrisch, schmerzempfindlich und richtig unangenehm und plötzlich war aus und vorbei mit „zurück“! Als er dann auch noch seine Farbe wechselte, war schnell erkennbar was passiert war: der Bruch trat zwar nur wenige Millimeter hervor, war aber abgeklemmt! Sehen konnte man dies auch an der Farbänderung, die sich zwischen rot und lila bewegte. Da dies im Laufe des Abends nicht besser wurde, war mir klar „morgen früh zum Arzt!“ In der Nacht kam dann auch glatt die Bestätigung in Form von höllischen Schmerzen, Schlafen konnte ich vergessen.

Also ging ich am 23.12. morgens zum Arzt, einem Chirurgen im Hospital in Cebu. Der fragte mich gleich, ob ich wüsste was ich hätte. „Klar ich habe im Wörterbuch geschaut, ein ‚umbilical hernia‘ ist das!“ Er meinte noch, dann wäre mir ja wohl auch klar was das bedeute? Aber da wollte ich ihm dann doch lieber den Vortritt lassen. Nun gut, er sagte, da der Bruch abgeklemmt sei, man diesen schnell operieren muss, sonst bestehe die Gefahr dass er platzt! Meine Frau gab aber zu bedenken: wegen Heiligabend, Kinder, Feier und Brimborium … Der Arzt verstand sie und meinte, man könne probieren, mit Eis und Spritzen das zurück zu bringen, aber ohne irgendeine Garantie. Außerdem müssten wir für den Notfall seine Handynummer mitnehmen … Aber das hörte sich alles nicht besonders vertrauenerweckend an, ein ganzes Leben wegen eines einzigen Heiligabends zu riskieren? Ich denke noch nicht mal daran!

Also sagte er, ich solle am Nachmittag um 2 Uhr, mich in der „Emergency“ melden und dann nähme es schon „irgendwie“ seinen Verlauf. Also kurz nach Hause, essen, eine email mit den „besten Grüßen und Wünschen zu Weihnachten“ an alle Freunde und dann Klamotten packen. Zurück ins Hospital erst mal anzahlen! Denn egal wohin die Reise geht – jedes Ticket hat seinen Preis! In diesem Falle 15.000 Pesos – Alternative? Klar doch – nach hause gehen und sterben! Leider kein Witz! Also wir zahlen und nehmen die Quittung in Empfang. Und dann hinlegen und warten, Frau heimschicken, sonst kostet das nur Nerven! Irgend ein weißer Kittel kommt und will erst mal Blut sehen: genau genommen eigentlich nur, wie schnell sich eine Wunde wieder schließt. Er nimmt ein kleines Skalpell und ritzt mir genüsslich eine kleine Wunde in den Unterarm und das in einer Selbstverständlichkeit, dass mir die Frage durch den Kopf schießt: „Ist das die SM-Abteilung des Schuppens?“ Nach 5 Minuten und einigen Sekunden erklärt der Krankenpfleger den Versuch als „bestanden“. Jetzt will er noch mehr Blut zapfen, auch ok. Dann schwirrt er weg, mir wird schon beinahe langweilig.

Zwischen den Vorhängen erkenne ich ein Plakat an der Wand, von irgendwelchen heiligen „Sisters“, die aber lediglich die Kutte mit denen aus „Sisteract“ gemeinsam haben, ansonsten aber eher humorlos aussehen. Zum Glück schrieben die recht groß und unübersehbar, also auch für mich lesbar „Wir die ‚Sisters von irgendeinem katholischen Hallelujaverein‘ sagen, jegliche Form der Abtreibung, der Familienplanung und jegliche Art der Verhütungskontrolle ist STRENG VERBOTEN!“ Na denn Prost! Geh ich jetzt heim oder was? „Was ein Mist, ich habe ja gar keine Alternative!“ also muss ich hier bleiben bei den Sisters, die mir dann aber hoffentlich nicht zu nahe kommen …

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Auswandern - Den Kulturschock überwinden