Reality-TV 16 – Fazit

Zum Justizsystem möchte ich aus meinen persönlich gewonnenen Erlebnissen und Beobachtungen folgendes zusammen fassen:

1. Standardgerichtsverfahren wie unsere Adoption, werden nach Möglichkeit künstlich gestreckt. Je länger die Verfahren gehen, also je mehr Anhörungen erforderlich werden, desto mehr Geld muss man normalerweise aufwenden und die Anwälte verdienen gut daran. Der Apparat wirkt wie ein Selbstbedienungsladen der Anwälte, die sich auch genau so aufführen. Wir hatten sehr viel Glück mit unserem Anwalt (der die Vereinbarung mit uns machte), denn das kommt normalerweise so nicht vor!

2. Sobald man als Ausländer auftreten muss oder die auch nur im Ansatz einen Ausländer vermuten, führt dies zu einer automatischen Verteuerung. Alleine der Blick in die offizielle Gebührentabelle des Gerichtes sieht eine fünffache Gerichtsgebühr für Ausländer vor. Dies ist eine Diskriminierung, die sich in allen Facetten der Gerichtsbarkeit wiederspiegelt! Es legitimiert somit eine Ungleichbehandlung der Ausländer, das sind leider Fakten.

3. Ein weiteres Problem an dem praktisch kein Ausländer vorbeikommt, ist die kulturell bedingte unterschiedliche Rechtsauffassung. Wer aus dem Westen kommt, verlässt sich auf niedergeschriebene Gesetze. Im Westen hängt der Ausgang eines Gerichtsverfahrens aber auch davon ab wie der Richter das Gesetz interpretiert, was man schnell vergißt! Aber in Asien wird das „sich auf die Gesetze verlassen“ mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit schief gehen! Denn es ist verpönt sich stur auf die Gesetze zu berufen. Das war in vielen beobachteten Vefahren zu erkennen, dass man nicht auf sein Recht pochte, sondern immer bestrebt war zu „mitteln“.

4. Strafverfahren oder aufwendigere Prozesse, sind selbst unter rechtlich eindeutiger Einschätzung riskant, was den Ausgang angeht! Ich bin überzeugt, dass die Masse der Verfahren rechtlich nicht gebeugt werden, um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Aber was sagt dies aus? Denn sollten 20% der Verfahren einen überraschenden Ausgang nehmen, hätten wir bereits eine höhere Quote als beim russischen Roulette! Auch die Methoden, um jemandem eins auszuwischen, sind in Sachen Bösartigkeit und Hinterhältigkeit kaum zu überbieten. Verleumdungen als Aussenstehender zu erkennen, fällt dabei extrem schwer.

5. Sich vor Fehlurteilen zu schützen, beginnt damit den Streitigkeiten im Vorfeld aus dem Wege zu gehen. Selbst wenn ich einen Nachbarschaftsstreit gewinne, nützt es mir wenig wenn der Nachbar sein Gesicht dabei verliert und mir ein Messer zwischen die Rippen jagt. Deshalb ist es ratsam im Vorfeld zu bedenken, wo wohne ich, was für Nachbarn gibt es, wie ist die Sicherheitslage, wie wirke ich auf andere, wann und wo bewege ich mich in der Öffentlichkeit, usw.? Im Zweifel ziehe ich die Konsequenzen, auch wenn das mit finaziellen Verlusten oder Freiheitsverzicht verbunden ist … Wer hier trotz Mahnung glaubt investieren zu müssen, in Unternehmungen, Immobilien oder teuren Fahrzeugen, sollte dies nur tun, wenn ihm die Summe nicht wehtut! Alles andere gleicht einem Selbstmord!

6. Die Philippinen sind ein denkbar ungünstiges Pflaster für „Prozesshansel und Rechthaberer“ (hier in den Foren weilen einige Exemplare davon). Wer dennoch immer wieder mit Einheimischen in Streit kommt, kann sich Erklärungen von wegen „unverschuldet“ ersparen. Da spielt es keine Rolle wie lange jemand bereits in dem Land wohnt. Wer dies selbst nicht erkennt und sich dies nicht sagen lassen will, dem kann keiner mehr helfen. Er wäre nicht der Erste, aber leider auch nicht der Letzte, der dadurch seinem Lebensende entgegen sprintet.

7. Wer unfreiwillig in einen Rechtsstreit kommt, sollte Augen und Ohren ganz offen halten. Denn wenn sich eine kleine Chance auf eine „aussergerichtliche“ Verständigung anbietet, sollte man wissen dass solche Chancen eventuell nur kurz existieren. Wer an dieser Stelle das Angebot ablehnt, muss sich möglicherweise auf große Verluste einstellen wie: langer Gefängnisaufenthalt, finanzielle Disaster, Abschiebung, usw. Fast alle in dieser Situation bereuen im Nachhinein, dass sie nicht vorzeitig den Streit beilegten.

8. Bedingt durch kulturelle Unterschiede entstehen schnell Missverständnisse, welche zu Streitigkeiten führen können. Habgier und Neid sind beispielsweise eine häufige Motivation hierfür. Kommt noch Eifersucht mit ins Spiel vereinfacht dies die Sache nicht. Was an dieser Stelle gerne vergessen wird: da gehören immer 2 dazu! Das heißt nicht, dass beide schuld sind, sondern vieles wäre vermeidbar! Wer glaubt mit Filipinos Geschäfte tätigen zu wollen, sollte mindestens bedenken, dass seine einheimischen Geschäftspartner und Kunden sich nicht über den Tisch gezogen fühlen! Hierfür gibt es andere Länder, in denen Westler sich leichter tun, da die Kunden und Partner das Verhalten besser einschätzen können.