Reality-TV 14

Der nächste Fall: Eine Ehefrau verklagt ihren Ehemann, dass der zuhause kein Geld abgibt und sie alleine die Kinder aufziehen muss. Anbetracht der selbst erlebten Verhältnisse bei Fahrern wie Nong zum Beispiel, wundert mich persönlich das gar nicht! Allerdings wundert mich, dass eine Frau den Mut oder sollte ich besser sagen die Not hat, dieses vor Gericht einzuklagen? Was muss das für ein Elend sein, in dem der Ehemann gerade mal 100 Euro pro Monat an Familieneinkommen verdient und dann die paar Kröten auch noch alleine auf den Putz haut? Denn viele Ehemänner versaufen oder verzocken ihre Einnahmen bereits auf dem Heimweg. Deshalb verwundert es auch wenig (zumindest in westlichen Augen), wenn viele Firmen das Gehalt nur direkt an die Ehefrauen aushändigen. Sonst hängt der Protkorb mitunter zu hoch bis zur nächsten Auszahlung.

So hat die nun erschienene Ehefrau als emotionale Unterstützung ihre 16-jährige Tochter dabei und als Zeugen hatte ihre Anwältin den Arbeitgeber des Ehemannes vorladen lassen. Dieser wurde in den Zeugenstand berufen und befragt, was denn der Ehemann verdiene und ob er bis jetzt auch immer sein Geld bekam.

Er meinte „Der Ehemann verdient 5.000 Pesos im Monat und hat das bis heute auch immer ordentlich ausbezahlt bekommen.“

Der Richter fragte darauf hin die Ehefrau natürlich „Wo ist denn Dein Ehemann überhaupt?“

„Der ist bei mindestens irgendeiner anderen Frau!“

Aua, das musste irgendeinen Alarm beim Richter ausgelöst haben, denn er fragte: „Da könnte es aber sein, dass er mit der auch Kinder hat?“

„Ist mir nicht bekannt!“ meinte darauf die Ehefrau.

Doch der Richter gibt sich damit nicht zufrieden und gibt der Anwältin die Hausaufgabe, zum nächsten Gerichtstermin innerhalb der nächsten 7 Tage, genau dieses in Erfahrung zu bringen, wenn sie denn etwas Geld vom Arbeitgeber des Mannes als Abtretung wollten. Glücklich machte sie das nicht, aber was konnte sie dagegen tun? Da es hier ja nicht um große Beträge ging, fackelt der Richter nicht lange und versucht für die nächste Woche die Entscheidung herbei zu führen.

Der Gerichtssaal war fast leer, lediglich eine ältere Frau und ein paar Anwälte, waren neben uns und unserer Gutachterin noch verblieben. Die ältere Dame wurde aufgerufen und stellte sich als Psychologin, welche als Gutachterin in dem dritten Anullmentverfahren des Tages bestellt wurde, vor. Die Beteiligten selbst waren nicht anwesend, dafür aber mehrere Anwälte des „scheidungswilligen Paares“. Es zeigte sich, dass die Nochehefrau nach Kanada wollte, um dort einen Kanadier zu heiraten. Der Nochehemann scheint nicht nur ein finanziell armer Schlucker zu sein, sondern wenn man der Gutachterin Glauben schenken mag, ein psychisch labiler, von Kind an unterdrückter und im ganzen Leben gedemütigtes armes Würstchen zu sein! Der aber natürlich mit einer fetten Unterhaltszahlung seine Würde und sein Leben zurück erhalten könnte – was aus „psychologisch gutachterischen Beurteilung“ eben nur finanziell und monatlich möglich sei! Was mir auf der Zunge lag, aber niemand fragte war, wieviel Provision kriegt die Psychologin denn davon?

Na immerhin – wie gut dass die alte Dame, deren Alter ich mal so um die 70+ Jahre schätzte, so ein super Gedächtnis hatte und auch so einen spontanen Lösungsansatz. Denn sie hat ihn zweimal gesehen und das vor 3 Jahren. Wieso gibt es kein neueres Gutachten, frage ich mich? Auch die ganze Art und Weise der Argumentation, liessen sofort erkennen, dass die Beteiligten selbst, besser bei dem Gerichtsverfahren anwesend gewesen wären. Denn entweder hat die Frau in Kanada einen echten Goldfisch an der Angel, wo Geld denn nun wirklich überhaupt keine Rolle spielt oder sie wird ihn doch nicht heiraten können.

Das Geschehen mit den drei Anullments am Morgen lassen mich zur Überzeugung kommen, dass es wahrscheinlich kein Land gibt, für das der Spruch trefflicher sein könnte „Drum prüfe wer sich ewig bindet, ob sich nicht doch was Besseres findet!“ …

Es war bereits kurz vor 12 Uhr als nur noch unsere Truppe übrig war. Richtig Lust hatte jedefalls von denen keiner mehr und ich befürchtete schon das Schlimmste. Doch die Gutachterin wurde zur Zeugenaussage berufen und meinte „Ja ich befürworte die Adoption. Das ist das Beste und zum Wohle des Kindes …!“ oder so ähnlich. Na Gott sei es getrommelt!

Der Richter schaut zur Staatsanwältin und fragt „Cross?“

„No cross!“ meint sie, man merkt sie hat auch keine Lust mehr zu arbeiten.

(Fortsetzung folgt)