Reality-TV 9

Nach dem Mittagessen, meine Tabletten wirkten wieder, meinte meine Frau in der Anwaltskanzlei anrufen zu wollen. Wir vereinbarten zuvor, dass wir dem Treiben dieses Ersatzanwaltes ein Ende setzen und mit dem Inhaber der Kanzlei sprechen wollten, wobei wir hofften dass er wieder aus dem Ausland zurück sei. Denn er war doch genau derjenige, welcher früher in der USA arbeitete und sich auf den Umgang mit Ausländern spezialisierte, sodass er dieses sicher nicht akzeptieren würde. Also meine Frau rief an. Sie hörte aber von der Empfangsdame am Telefon, dass der immer noch in Amerika sei. Allerdings wunderte die sich auch über das Verhalten des Ersatzanwaltes und sagt zu meiner Frau, wir sollen früher kommen und unsere Unterlagen mitbringen. So fuhren wir in die Kanzlei und sprachen mit ihr. Sie war keine übliche Sekretärin, sondern eine Respektsperson im fortgeschrittenen Alter, die bereits für den verstorbenen Vater des Inhabers arbeitete.

Wir zeigten ihr den Vertrag, der klar einen fixen Betrag auswies, ansonsten nur direkte variable Kosten für Zusätze wie Gerichtsgebühr, Zeitungsanzeigen oder Kopien. Hearings waren inbegriffen. Denn ich sagte bereits zu Anfang dem Anwalt, dass ich nicht seine Zeit bezahlen will, sondern seine Resultate. Auch seine damalige Antwort, nachdem ich ihm sagte nicht adoptieren zu wollen oder können, wenn die Kosten dafür zu hoch seien, da ich eine feste Rente habe und nicht mehr Geld dazuverdienen kann, blieb in meinen Ohren. Damals meinte er, dass für Fälle wie unseren etwa 50-60.000 Pesos üblich seien, was wir durch weitere Beratungen bei anderen Anwälten bestätigt bekamen. Aber er kam uns entgegen und verlangte lediglich 30.000 Pesos. Ja so entstand der gegenseitige Respekt zwischen uns und dem Anwalt, der aber plötzlich wertlos erschien, da der erst später aus Amerika zurückkehren sollte?

Aber seine Empfangsdame tat alles Erdenkliche, was sie jetzt für uns tun konnte. Sie versuchte den Inhaber sogar in den USA anzurufen. Sie fand das Verhalten des angestellten Anwaltes ebenso wenig akzeptabel und lies einige Bemerkungen fallen, die erkennen liesen, dass dessen Verhältnis zur Kanzlei bereits mehr als einen Knacks hatte. Aber das ist genau der Fall, den meine Frau und ich vorher durchgesprochen hatten, denn wenn wir auf unserem Recht bestehen und der Anwalt seine private Planungen (wer verlangt schon Geld zur Zahlung am gleichen Tag!) über den Haufen werfen muss, kann sehr gut passieren, dass er das ganze Verfahren an die Wand setzt und dann hätten wir mehr als die 8.000 Pesos in den Sand gesetzt. Also besprachen wir uns im Vorfeld so, dass wenn es nicht vermeidbar wäre, dem Anwalt etwas bezahlen, er aber klipp und klar zu hören bekommt, „so nicht!“ und der verbleibende Weg klar definiert sein muss.

Nun kam der Ersatzanwalt aus seiner Mittagspause vergnügt zurück und bat uns in sein Zimmer. Ich zog den Vertrag zwischen uns und seinem Chef raus und erklärte ihm was da stand. Seine Miene versteinerte. Da hatte ich ihn aber genau auf dem Fuss erwischt, der eigentlich schon sein Gehstock war! Er stotterte, „Ja der Inhaber hat eigentlich gar keine Ahnung von Adoptionsverfahren, denn die Kosten hierfür liegen normalerweise bei 75-100.000 Pesos.“ Das wurde mir zu blöd, denn das war doch nur sein dummes beleidigtes Gequatsche! Also sagte ich ihm „Wir waren zuvor auch in anderen Kanzleien und dort wurde uns das selbe teilweise auch für 25.000 Pesos angeboten. Aber das ist doch auch völlig wurscht! Entscheidend ist lediglich was der Inhaber mit uns vereinbart hat! Ende!“ Oh je …, … da war er wieder: der deutlichst spürbare Gesichtsverlust!

Also dachte ich mir, gleich den Kerl da wieder raus holen, sonst ist alles im Eimer. So versuchte ich ihn dann wieder aufzubauen: „Nun, ich habe kein Problem, entgegen unserer Vereinbarung mehr zu bezahlen, wenn der Aufwand deutlich mehr und gerechtfertigt ist. Aber wir haben nächste Woche das nächste Hearing und das soll dann aber auch das Letzte sein!“ Was Worte nicht alles bewirken können! Er fand doch tatsächlich in irgendeiner Schublade sein Gesicht wieder und strahlte: „Yes, yes, we finish next week. I do my best!“ Na dann hoffen wir mal, dass sein Bestes auch ausreicht! Wir gaben ihm das Geld, gedachten aber dieses später mit der Schlußrechnung zu verrechnen und er quittierte den Erhalt …

(Fortsetzung folgt)