Reality-TV 7

Der Ersatz-Attorny spielt mit mir die Fragen durch, denn ich sei der erste, den er interviewen möchte. Vom „Psychobescheid“ keine Rede mehr – „wollte ich Dir auch geraten haben …“ denke ich bei mir. Mein Blick fällt auf die Uniform des Mannes, der neben meiner Frau sitzt. Strahlendes Orange, nein er ist weder ein holländischer Fussballfan, der in den falschen Flieger stieg, noch bei der städtischen Müllabfuhr beschäftigt. Man muss nur 1 und 1 zusammen zählen: warum hat er Handschellen und wieso lautet die Aufschrift auf seiner noblen Tracht „Cebu City Jail“? Ach so – wohl aus dem selben Grund, weshalb er einen ganz persönlichen und ihm nicht von der Seite weichenden Polizisten hat. Eigentlich dachte ich das sei eine Adoptionsverhandlung, aber ob den jungen Mann freiwillig einer adoptiert?

Unser Ersatzanwalt meint, dass er beim letzten Hearing ganz vergessen hätte, unser Adoptivkind in den Zeugenstand zu rufen! Ich bemerke das Anschwellen meiner Halsschlagader – scheiß auf „bahala na“, ich könnte platzen! Beruhige mich aber noch mal. Er verzieht sich Richtung „Sünderbank“ – stopp, Attorny-Bank natürlich. Wobei böse Zungen meinen, das sei ohnehin dasselbe! Ich sage zu meiner Frau: „Das war doch jetzt bereits das wievielte Mal, dass der irgendeine Extratour einbaut. Den letzten Termin haben wir zusätzlich erhalten, dass die Kinder während der Ferien befragt werden können! Das nehme ich jetzt nicht mehr hin!“ Auch sie ist stocksauer und aus dem Häuschen „Der will lediglich Geld ziehen und verlängert die Geschichte jedesmal mit weiteren Hearings!“ Au weia, hoffentlich irrst Du, denke ich bei mir, denn „Wir haben doch mit seinem Chef einen Fixpreis vereinbart, egal wieviele Hearings!“ sage ich ihr. Na schauen wir mal …

Kurz vor 10 Uhr betritt seine Majestät, der „göttliche“ Richter den Gerichtssaal. Naja genau genommen reduziert seine Größe oder sagen wir mal diplomatischer seine „Länge“ etwas seine Majestät, obwohl einige hier eher von „Kürze“ als von „Länge“ sprechen würden. Übliches Ritual: alles erhebt sich (Mist, auch ich spiele mit, da ich von dieser „Gottheit“ abhängig bin – werde mich an diesem Tag dann aber wenigstens so bestrafen, dass ich beim Blick in den Spiegel, den Kerl davor ignoriere!), Madame Gerichtsschreiberin murmelt ein Etwas mit „Amen!“ am Ende, sehr brav – setzen! Der Richter will wissen was denn alles für „Cases“ heute auf dem Programm stehen. Sie liest vor und beginnt mit Case 2. Ha! Einer fällt schon mal aus – prima, dann kommen wir schneller dran. Case 3, irgendwie blablabla … Case 4, man versteht wegen der heutigen Übervölkerung des Saales kaum was.

Doch dann höre ich „Case 5: Adoption of the minor Teresa Baltasar Munotad …“ Das ging mir doch beim letzten mal schon auf den Keks, denke ich „Teresa BALTAR Munotad“ heisst das Kind, nix BALTASAR! Den gibts nur am 6. Januar in überwiegend katholischen Gemeinden. Gut, ok, Cebu mag das ja sein, was vielleicht ein Grund dafür wäre. Trotzdem stellt das keine Entschuldigung für diesen „Freudschen Versprecher“ dar! Case 6 … Heute bleibt uns nichts erspart … dennoch registriere ich, dass sich der Saal langsam leert. Bis zum letzten Fall, nämlich Case 14, sind weniger als die Hälfte der Leute noch da. Die haben alle neue Termine bekommen und tschüss! Auch unser Knacki auf dem Nebenplatz. Entweder hat er seinem Attorny zu wenig bezahlt, wie soll er auch was zahlen mit soviel Metall an den Händen oder sein Attorny ist in den falschen Jeepney eingestiegen. Denn der Knacki kam ganz einsam und genauso einsam ging er wieder, lediglich mit seinem ganz persönlichen Polizisten. Nix mit Attorny … Also das „Cebu City Jail Hotel“ kann man wohl von der Hotelliste für Urlaubsbesucher streichen!

Nun nachdem die Reihen sich lichteten, kam schon fast eine familiäre Stimmung auf, zumindest wurde es übersichtlicher! Da quetscht sich schon die nächste Kreatur an uns vorbei. Was war denn das? Lackierte Zehen an einem männlich wirkenden Fuß? Meine Augen gleiten gaaaanz vorsichtig etwas höher, naja weiblicher wird es um die Knie herum auch nicht gerade. Spätestens als meine Augen auf der Höhe der Hüften sind, ist klar – der Kerl ist irgendwie umgebaut, zumindest arbeitet er an so einer Version. Meine Blicke wagen sich noch weiter nach oben – aua, da wo jetzt nichts ist, befinden sich doch normalerweise bei den Frauen zwei Wölbungen? Gut, auch wenn die von der Größe hier oder da mal unterschiedlich ausfallen, aber da war ja nix, nix wie garnix oder überhauptnix! Eigentlich will ich meine Augen schonen und den Blick abwenden, aber da fallen meine Augen dann doch noch auf seinen Kopf. Nääääh, näääääääääh ….. ich erspare mir die Beschreibung, da mir sonst wieder schlecht wird! Der Hinweis auf längere Haare, hässlicher Visage und schlechter Rasur muss genügen …

(Fortsetzung folgt)