Reality-TV 13

„Case 2“ rief die Gerichtsschreiberin unseren Fall auf. Doch irgendwie kam mir unser Ersatzanwalt nicht richtig fit vor. Nicht nur hat er uns bis dahin praktisch kaum wahrgenommen, wir mussten ihn sogar anstupsen, damit er „aufwacht“ und aufsteht! Er rief meine Frau in den Zeugenstand und befragte sie, nachdem sie vereidigt wurde, nach verschiedenen Dokumenten. Sie bestätigte deren Echtheit, ihre Unterschrift darauf, usw. Plötzlich trat der Richter wieder in Erscheinung, wohl noch mit den Dollars vor Augen, denn er meinte „Und was ist mit der Zertifizierung wegen ‚good moral and character‘, haben Sie sowas auch dabei?“

Ich beginne innerlich zu kochen und zu toben und denke mir „Was musst Du nur für ein armes Schwein sein, das wohl jede Frau die mit einem Ausländer verheiratet ist, in die Nähe einer Prostituierten zu rücken versucht?“ Aber mit der Einstellung ist er nicht alleine, wenngleich ich von einem Mann seines Standes sowas nicht erwartet hätte.

Nun ist es ja nicht aussergewöhnlich, dass in einem Adoptionsverfahren solche Bescheinigungen gebracht werden müssen. Aussergewöhnlich war allerdings sein Blick und sein Tonfall dabei, sowie eben der Zeitpunkt, zu dem der Richter sich ins laufende Verfahren einmischte, da dies genau genommen seine erste echte Frage überhaupt war! Das Dokument war übrigens gar nicht so leicht zu erhalten! … (An dieser Stelle stand urspünglich der Hintergrund, von der Entwicklung aus Schule und Kirche, wie, weshalb, warum. Aufgrund von Anfeindungen und Unterstellungen, dass ich aus jeder nur denkbaren Situation ein „Kirchenbashing“ betreiben würde, verzichte ich auf weitere Details. Die Zusammenhänge verstehen sich denke ich mal auch so. Wem die Argumente fehlen, versucht andere mundtot zu machen! Naja ich erspare mir weitere Details.) … Denn diese Bescheinigung ist nicht nur bei einer Adoption notwendig, sondern wird ebenso z.B. bei Bewerbungen für reguläre Anstellungen angefordert.

Nun hatten wir aber unsere Hausaufgaben gemacht und konnten alles belegen. Enttäuscht lehnte sich der Richter wieder zurück und fragte nur die Staatsanwältin, ob sie denn ein Kreuzverhör wollte. Die hatte aber überhaupt kein Interesse daran und winkte nur ab. Unser Ersatzanwalt wollte gerade die von uns noch rechtzeitig „angeschleppte“ Gutachterin in den Zeugenstand rufen, doch da verwies der Richter bereits auf den nächsten Fall! Ich wollte mich schon über das neue „Schurkenstück“ aufregen und den Blutdruck wieder ankurbeln, doch da bemerkte auch ich es, wir müssen erst die anderen Fälle durchlassen und kommen dann im zweiten Durchgang nochmals dran. Sinn des Ganzen? – Klarer Blödsinn!

So rief die Gerichtsschreiberin den nächsten Fall auf, Thema: wieder ein Anullment. Eine chinesischstämmige Frau ging in den Zeugenstand. Es stellte sich sehr schnell heraus, dass sie von ihrem Nochehemann die Nase voll hatte. Jedenfalls machte der ihr nur Arbeit, vergisst die Kleider zu wechseln, weiß gar nicht wer und wo er ist – zu deutsch: ein absoluter Volltrottel! Der Richter, welcher im Verfahren vor uns noch den „Löwen“ die junge und wenig erfahrene Filipina zum Fraß vorwarf, hatte diesesmal wohl gemerkt, dass er hier eine andere Person vor sich hat. Denn da war keine Rede mehr von „Ehemann, wo steckst Du?“ oder gar anderer pikanter Details. Die Chinesin hatte nämlich von Beginn an ihren Wohlstand signalisiert, um dessen Aufteilung es letztlich auch ging. „Hier das ist unser Besitz: mehrere Grundstücke und Häuser, ein paar Firmen, usw.“ Allerdings stellte sich dann doch heraus, dass der nicht anwesende „vertrottelte“ Ehemann vielleicht doch nicht so vertrottelt ist, denn die gute Ehefrau konnte dessen Anwalt nicht ganz mit den Grundstückstiteln (vergleichbar Grundbucheintagungen) überzeugen. So wird man auch weiterhin sich eine Machtprobe liefern, wobei keine der anwesenden Parteien den Eindruck erweckte, dabei zu kurz kommen zu wollen.

Immerhin fand man letztlich dann die Lösung, bzw. hat man sich darauf verständigen können, dass der chinesiche Ehemann seit Jahren dement sei und somit gar nicht heiraten hätte sollen. Warum ein Gericht so eine Aussage nach 18 Jahren Ehe zulässt, kann nur finanzielle Gründe diverser Beteiligter haben … Denn zu deutsch ist das eine Scheidung, nichts anderes! Die Umbenennung in „Anullierung“ ist lediglich ein Kniefall der Justiz vor der katholischen Kirche. Nach deren Verständnis „nicht sein kann, was nicht sein darf!“ …

(Fortsetzung folgt)