Reality-TV 12

Die junge Frau welche diese inoffizielle Scheidung einreichte, saß die ganze Zeit neben mir und so habe ich ungewollt ihr Gespräch mit ihrem Anwalt etwas mitverfolgen müssen. Denn der hatte die ganze Zeit auf sie eingeredet und ihr Mut gemacht, ja fast gebetsmühlenartig angefeuert wie Cheerleaders eine American Footballtruppe mit „Your husband can not expect that you still love him. He has to respect your new life. Bla bla bla …“ Beim Wort „respect“ hat es mich denn doch geschüttelt, da ich diese Vokabel vor allem immer dann in den Philippinen höre, wenn jemandem die Argumente ausgehen und er sich dann auf Traditonen und eben den „Respekt“ beruft. Es wirkte mehr als merkwürdig wie der Anwalt auf das Mädchen (sie war etwa Anfang 20) einredete. Doch nun forderte der Richter den Anwalt auf, das ganze vorzutragen. Der Anwalt begann zunächst ganz seriös und trug die allgemeinen Fakten vor.

Doch der Richter unterbrach ihn und fragte die junge Frau dann direkt „Wo lebst Du?“

Sie erklärte „Ich arbeite auf einem Kreuzfahrtschiff, wo wir durch die ganze Welt reisen.“

Der Richter begann ein zweideutiges Grinsen aufzusetzen „What is your profession? Are You a singer?“ Sein Grinsen wurde bereits vom Lachen begleitet, da viele mit „Sängerinnen“ nichts anderes als Prostituierte meinen oder zumindest in der Gesellschaft dies häufig so angesehen wird.

„No your honor. I manage a group of entertainers from different countrys.“ meint sie.

Gelächter greift vom Richter aus auf andere Leute im Gerichtssaal über. Er bohrt weiter: „Where is your husband?“

„I have no idea!“ meint sie schon leicht frustriert. Ein Lachen bricht aus, der Gerichtssaal tobt!

„No idea? – No idea! … She has no I-D-E-A! … No idea!!!“ ergänzt der Richter theatralisch, im Stile eines Alleinunterhalters.

Der Gerichtsschreiber will in dieser Verunglimpfung auch mitspielen und ergreift das Plastikschild auf dem Richterpult mit der Aufschrift „Be honest! Even if others are not. Even if others will not. Even if others cannot.“ und kippt es aufmerksamkeitswirksam mit der Schrift nach unten um. Der Gerichtsaal glich einem unwürdigen Theaterstück, wo man versuchte eine junge Frau an den Pranger zu stellen und dem Pöbel preiszugeben. Irgendwie tat sie mir leid. Aus westlicher Sicht hat sie nichts Unrechtes getan. Aus philippinischer „Machosicht“ sieht das aber ganz anders aus. Eine junge Frau darf sehr wohl eine Geliebte sein oder noch besser eine Zweit-, oder Drittfrau. Aber dann soll „das Stück“ wenigstens die Klappe halten! Wie kann eine Frau auf die Idee kommen sich scheiden lassen zu wollen? Das ist doch unmoralisch! Da kann nur ein Ausländer dahinter stecken und wenn dem so ist, na dann soll der aber erst mal richtig Geld anschleppen und die Unmoral damit ausgleichen!

Übrigens hat ihr Rechtsanwalt inzwischen alle guten Vorsätze zum Teufel gejagt – von wegen den Mandanten unterstützen oder ihm beistehen. Kein Anfeuern mehr, nein als Supermacho hielt er sich vor Lachen, es amüsierte ihn köstlich welch einen „Juwel“ er hier anschleppte. Es schien als hätte er einen Grund gefunden, auf sich stolz sein zu können.

Der Richter blieb seiner süffisanten Art treu und fragte weiter: „Du hast also auf dem Schiff einen neuen Lover kennen gelernt. Und den willst Du jetzt heiraten?“

„Euer Ehren das ist nicht mein Motiv!“ versuchte sie zur Wahrung ihrer letzten noch verbliebenen Würde anzuführen. Wobei sie es eben auch nicht verneinte!

Plötzlich kehrte wieder etwas mehr Seriosität in den Gerichtssaal ein, da einige plötzlich glänzende Dollars vor ihren Augen sahen. Denn jetzt war klar, die hat einen Ausländer an der Angel, wobei die alte Ehe natürlich sehr störend ist! Und sowas kann man sich vergolden lassen.

Also sagte der Richter „Bitte neuen Termin ausmachen! Und zum nächsten Termin auch ‚Ideen‘ entwickeln, wo denn der Ehemann ist. Denn den brauchen wir hier!“

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, allerdings verwunderlich, dass ihr Anwalt sie nicht besser vorher beriet! Aber je komplizierter der das macht, umso mehr Auftritte generiert er und je mehr Geld bringt es ihm … woher nur kennen wir dieses Verhalten?

„Ich habe mir extra Urlaub genommen und die Reise zu diesem Gerichtstermin hat mich sehr viel Geld gekostet!“ versucht die junge Frau zu Bedenken zu geben. Mit Sicherheit! Denn im Vergleich zu einer Beschäftigung auf den Philippinen, verdient sie zwar traumhaft gut, jedoch im internationalen Vergleich wird ihr Gehalt ein Trinkgeld bleiben. So bleibt jede Reise ein kostspieliges Abenteuer!

Der Richter ist davon aber unbeeindruckt und meint „Wenn Du ein Anullment willst, dann kostet dieses viel Geld und noch viel mehr handfeste Argumente!“ und beendete damit den Case 12 für heute.

(Fortsetzung folgt)