Golf

Als ich noch berufstätig war, hatten wir vor ein paar Jahren unsere Kunden für ein Wochenende zu einem Golfschnupperkurs eingeladen. Für viele von denen war es der erste Kontakt mit diesem Sport, so auch für mich. Die Trainigsanlage wurde von unserer Firma komplett gemietet, ebenso die Trainer und das ganze Servicepersonal, die an dem Wochenende nur für uns da zu sein schienen. So konnten wir uns intensiv um unsere Kunden kümmern und in kleinen Gruppen den Abschlag oder das „Putten“ üben. Meine Güte, in welche Himmelsrichtungen wir die Golfbälle hin schlugen! Jedenfalls flogen die meist überall hin, nur nicht dahin wo man zielte. Doch durch die intensive Trainerbetreung von jeweils etwa 4-6 Personen, lernten wir schnell und so kamen auch Erfolgserlebnisse. Es machte allen Spass und das angenehme Herbstwetter unterstützte dies. So war es wenig verwunderlich, dass jeder anschliessend so begeistert davon nach Hause fuhr, mit dem Vorsatz: „Ich lerne jetzt Golf!“ Aber bei fast allen blieb es beim Wollen, wenn auch jeder sich bis heute sehr positiv an dieses Erlebnis erinnert.

Blick auf das Green

Blick auf das Green

Doch warum war das so? Nun mit welchem dieser Teilnehmer ich später auch sprach, jeder konnte sich sofort für die Sportart begeistern, aber fast jedem gingen die dabei beteiligten Person ganz fürchterlich auf den Zeiger! Diese Golfspieler als „elitäres“ oder „überkandideltes“ Volk zu bezeichnen, würde die Richtung zumindest beschreiben, aber die Sache nicht wirklich treffen. Denn viele dieser Golfer waren „super- nein mega-ultra-elitär hoch drei!“ Zu Deutsch: eingebildete Kotzbrocken vor dem Herrn! Dass eine Aufnahme in den Golfclub mindestens 10.000 DM kosten sollte, ach was – besser 50.000 DM ist doch klar! Welcher dieser Golfer will sich denn mit dem Pöbel abgeben, das jetzt auch noch versuchte „ihren“ Bernhard Langer zu imitieren? Das war zuviel des Guten! Und so war man froh, dass der liebe Gott eine „natürliche“ Grenze zwischen den Herren und den Dienern zog, in Form einer vom Golfclub festgelegten Aufnahmegebühr! So war sichergestellt, man bleibt unter seinesgleichen – Amen!

 

Denn zeitlich noch nicht allzu lange zurück, hatte der Pöbel gerade erst den weißen Sport ruiniert: von Tennis ist die Rede. Und ich erinnere mich, als ich als Student Tennis im Verein spielen wollte, was gab es nur für ein Zinnober! „Wir nehmen keine neuen Mitglieder auf!“ Aus die Maus – keine Diskussion! Aber man hatte die Rechnung ohne „unseren Boris“ gemacht – ja genau den, der damals keinen einzigen Satz unfallfrei rausbrachte. Ausser seinem Dauer-ÄHHMMM! Doch als er im zarten Alter von 17 Jahren Wimbledon gewann, brachen die Dämme. Der öffentliche Druck auf die Tennisclubs wurde derart groß, dass diese wehmütig ihre Tore öffnen mussten. Tja und dann war ich doch glatt im Tennisverein. Zahlte nur noch eine „kleine“ Aufnahmegebühr und lediglich meinen Jahresbeitrag.

Was entstanden für köstliche Situationen, als Herr Dr. „Ülftignülf“ gegen mich Stupidenten bei der Vereinsmeisterschaft spielen musste! Damals beschwerte er sich offiziell darüber, dass meine Tennishose nicht weiss genug sei, da sie einen bunten Streifen hätte! Und wenn Du dann denn Professor „Meierleier“ noch besiegt hast, war mehr als dessen Wochenende zerstört, was der auch mit dem sofortigen Verlassen des Geländes untermauerte. Man applaudierte von der Terasse aus bereits das Erreichen des Balls von der Frau Doktor (die eigentlich „nur“ die geehelichte Sprechstundenhilfe war und einen Hörsaal bestenfalls vom „Hörensagen“ her kannte), hingegen schwieg man zu Punkten von unsereinem mit ominösen Ruhelöchern (vergleichbar den schwarzen Löchern, nur bezogen auf die Akustik) und blankem Entsetzen. Damals überlegte ich ernsthaft meinen Beruf zu wechseln und Psychiater für höhergestellte Eingebildete, äh … Persönlichkeiten zu werden, denen einer ihre „Sandburg kaputt gemacht“ hatte und nun vorm ruinierten Leben standen mit der Perspektive „Alkoholikerkarriere“. Allerdings gab ich aufgrund von Befürchtungen, dass dabei doch eine potentielle Ansteckungsgefahr bestehe, den Gedanken wieder auf …

Und jetzt wohne ich in der relativen Nähe zu einem Golfplatz in den Philippinen. Ab und zu mache ich mir den Spass und schaue denen zu. Nicht weil sie so sagenhaft schön spielen. Nein, weil ich nach dem Zuschauen genau weiß, warum ich sicher nicht Golf spielen möchte in diesem Land. Wer will sich schon in eine geschlossene Gesellschaft hinein wagen, die um den Blick des Pöbels abzuwehren, kurzerhand eine Mauer mit ordentlich Stacheldraht oben drauf, um die 18-Loch große Golfplatzanlage baut? Wo war denn das nochmal … welches Land war das doch gleich, das seine Bürger ebenfalls mit einer Mauer beschützte? Mensch, wie hieß doch nur diese sagenhafte Demokratur nur … jetzt …, jetzt fällts mir wieder ein: kloor de De-De-äRr !!! Oops, wie komme ich nur darauf ? … Nein, nein: hier kommt bestimmt keiner zuspät, der dann von einem Leben bestraft werden könnte! Macht Euch keine Sorgen, alles im Lot.

Links erkennbar die Mauer und im Vordergrund eine Wellblechhütte eines Mittelschicht-Pinoys

Links erkennbar die Mauer und im Vordergrund eine Wellblechhütte eines Mittelschicht-Pinoys

Aber nicht nur der „Mauerbau“ drum herum fasziniert mich. Die Menschen selbst, die sich darin bewegen, verdienen auch meine vollste Bewunderung! Apropos bewegen: denn bei den philippinischen Temperaturen ist so ein Golfplatz-Taxidienst natürlich schon notwendig, der einen bis zum Abschlag des nächsten Balles fährt! Sonst bekommt da noch ein Spieler ein verschwitztes Hemd! Das geht schon mal gar nicht! Genau so wenig, wie es selbstverständlich nicht zu akzeptieren ist, dass ein Spieler einem Sonnenstrahl ausgesetzt wird! Deshalb bekommt auch jeder Spieler mindestens 1-2 Regenschirm- äh Sonnenschirmträger zugewiesen, die ihm nicht von der Seite weichen, was und wo auch immer der Spieler macht! Das ist doch mal ein echter Service, vielleicht habe ich mich doch zu Unrecht schon auf meine Golfabstinenz festgelegt? So ist praktisch kein Spieler ohne seinen persönlichen Begleittrupp unterwegs, der aus mindestens 5 Personen besteht. Zwei Regenschirmträgern, einem Golfmobilfahrer, einem der sich bückt und den Ball aufhebt und mindestens einem Caddy, der den Golfschläger reicht. Einen hätte ich jetzt fast vergessen, nämlich den der die Schläge zählt bzw. offiziell ignoriert, was eigentlich fast wichtiger ist.

 

Aber das sind alles Spezialisten auf ihrem Gebiet und geschulte Mitarbeiter des Golfclubs, die im wichtigen Moment wegschauen. Denn während ich aus gesicherter Distanz mich bei jedem Einlochversuch kaputt lache, da die meisten dieser „Golfspieler“ es schaffen aus einem Meter Distanz, das Ziel um auch etwa einen Meter zu verfehlen, kann man da nur ultrasensibles Personal daneben stellen. Denn 90% der Menschheit liegt bei diesen Präzisionsschützen vor Lachen am Boden. Aber nicht so diese Angestellten: auch wenn der Golfball noch so weit daneben geht, deuten sie an der Ball sei im Loch gewesen, begeben sich auf die Suche nach ihm, heben ihn auf und bewegen sich wie selbstverständlich mit dem ganzen Tross weiter. Respekt! So beginnen die Traumkarrieren: vom Tellerwäscher oder „Golfballweggucker“ zum Millionär! Oder zumindest zum Trinkgeldsammler (einer muss ja die Pesos-Münzen verwerten).

Allerdings hin und wieder, wenn mich meine Nachdenklichkeit übermannt (ich gebe es ungern zu, aber das passiert hier immer seltener), dann habe ich mir schonmal überlegt, ob ich nicht Unrecht habe. Denn möglicherweise sieht das nur wie Golf aus, ist aber gar keines! Ja das wird der Sache denke ich eher gerecht …

Das ist nämlich das berüchtigt harte philippinische Olympiacamp und man trainiert lediglich: „Dabei sein ist alles!“ Oder verwechsle ich das gerade mit „Sehen und Gesehen werden!“?

Ist das alles kompliziert hier …