Reality-TV 4

„Wieviel? Wieviel Geld willst Du?“

Nong ist gedemüdigt und den Tränen nahe. „Äh, äh nur ein bisschen …“ meint er kleinlaut.

Der Anwalt sagt: „Du hast wirklich Glück, mit Deinen ehemaligen Arbeitgebern! Hier sind 3.000 Pesos und Du verzichtest auf alle Forderungen, ist das für Dich ok?“

„Ja, ja.“

Der Anwalt zuckt das vorgefertigte Papier raus, Nong unterschreibt (bzw. malt einen Haken, der seine Unterschrift bedeuten soll), nimmt das Geld und zieht von dannen. Der Anwalt meint zu meiner Frau „Der nimmt das Geld, feiert mit ein paar Saufkumpels seinen ‚Triumph‘ und morgen ist er wieder das arme verkaterte Schwein, dem es dann leid tut sein Geld schon wieder versoffen zu haben! Dieses Spiel habe ich hier schon hunderte mal erlebt. Eigentlich traurig!“

Recht hat er, denn wir haben auch keinen wirklichen Grund zum Feiern. Denn nicht nur haben wir Nong 3.000 Pesos (also rund 50 Euro) bezahlt, unseren Anwalt, der sich aber gleich beim ersten Fall bewährte, sondern auch die Reparatur am Auto. Von anderen Kosten und der ganzen Aufregung will ich jetzt mal lieber gar nicht erst reden …

Aber so hatten wir dann endlich wieder einen klaren Kopf für das Adoptionsverfahren. Der Anwalt meinte, dass er die Anforderungen (in Summe fast ein Buch an Bescheinigungen und Belegen) beim Gericht einreicht und wir über eine Sozialarbeiterin des DSWD das ganze starten müssten. Diese Sozialarbeiterin überprüft alle Dokumente, interviewt alle Beteiligten und erstellt ein Gutachten für das Gericht. Dieses Gutachten ist die eigentliche Entscheidungsgrundlage für die Adoption, weshalb der Anwalt auch etwas „finanzielles Nachhelfen“ dafür empfahl, um kein Risiko einzugehen.

Nachdem wir alle Belege bei der Sozialarbeiterin abgaben, meldete sie sich fast täglich wegen irgendwelchen Ergänzungen. Die wollte uns damit wohl signalisieren, dass wir ihr Trinkgeld ja nicht vergessen? Naja, so läuft das Spiel. Wer vergleichbares aus dem Ausland tun möchte, kann sich warm anziehen – in jeder Hinsicht! Nun hatten wir soweit alles komplett, bis auf eine Verzichtserklärung der älteren Halb-Geschwister unseres Adoptivkindes. Denn das philippinische Gesetz sieht vor, dass in diesem Falle ein „utang na loob“ durchbrochen wird! Denn Adoption heißt, andere Eltern und Geschwister! Also mussten die beiden älteren Schwestern unterschreiben, dass sie mit der Adoption einverstanden sind und künftig auf Forderungen an die jüngere Schwester verzichten werden! Bitte? Wer, die Schwestern?! Nochmals: für wen dieses NEU ist, langsam lesen, auf der Zunge zergehen lassen und runterschlucken. Vielleicht bekommen dann einige beim Nachdenken darüber eine Erleuchtung, worüber auch immer …

Unser Anwalt bestellte uns nun noch mal ein. Er sagte, er müsse leider für etwa 3 Monate in die USA und könne deshalb unsere Verhandlungen vor Gericht nicht selbst wahrnehmen. Deshalb müsse er auch das Verfahren an einen Ersatzanwalt abgeben, den er uns gleich vorstellte. Sowas mag unglücklich sein, aber wir mussten das wohl akzeptieren. So sprachen wir die Situation und das weitere Vorgehen mit dem Ersatzanwalt durch und bereiteten uns auf den Termin vor.

Wir waren dann bei Gericht auf 9:00 Uhr bestellt, waren aber bereits eine halbe Stunde früher da. Unser Ersatzanwalt kam 9:10, was uns nicht sonderlich beruhigte! In der ersten Bank im Gerichtssaal sitzen die Anwälte aller rund 15 geplanten Gerichtsverfahren, die dann nacheinander aufgerufen werden. Wenn irgendwo was nicht ganz vollständig ist, wie üblicherweise in etwa zwei Dritteln aller Fälle, dann gehen die Anwälte und die Betroffenen wieder mit einem neuen Termin nach hause, haben ja eh nix zu tun – ausser Spesen nix gewesen, aber die sammeln sie wenigstens ein! Und die Attornys verdienen sich mit dem Rumsitzen zwar nicht gerade dumm und dusslig, aber doch ihren Familienunterhalt. Allerdings finde ich wie sich das „Gesindel“ von Anwälten aufführt, schon mehr als anmaßend: da sitzen die in der ersten Reihe und erzählen sich gegenseitig lautstark ihre Erlebnisse und machen Witze etc. Ich empfinde das als Verhöhnung deren Klienten gegenüber … Aber auch das sind alles Dinge, mit denen man sich nicht anfreunden muss, aber dennoch ertragen kann. Bahala na!

(Fortsetzung folgt)