Reality-TV 3

Denn bereits in der Folgewoche kam der erste unvorhersehbare juristische „Blitzeinschlag“, wo wir in eine Rechtsstreitigkeit hineingezogen werden sollten. Und das kam so. Wir hatten ja mal einen Fahrer namens Nong, ja genau – „DEN“ Nong! Wie an anderer Stelle (im Buch ausführlicher) nachzulesen, war die Zusammenarbeit mit ihm, einem gewissen Verschleiß unterlegen und wurde beendet. Wir dachten alles sei so weit erledigt, da wir nichts mehr von ihm sahen oder hörten. Doch dann sollte umso mehr folgen: vier Wochen nach seiner Entlassung erhielten wir Freitags etwa um 15 Uhr ein Schreiben, doch was heißt hier schon Schreiben?

Das war ein dünnes Durchschlagspapierchen (früher sagte man Butterbrotpapier zu so was!), Absender war ein Arbeitsgericht in Cebu City, welches uns vorlud für den folgenden Montag (3 Tage später!), um in einer Sache „Nong“ vorzusprechen! Na Donnerwetter! Die haben es eilig, das hat denen noch nicht mal mehr dazu gereicht die „Vorladung zum Gericht“ in einen Umschlag zu stecken! Nein, irgendein Kurier liest das durch und hat dann doch die Güte gefunden es persönlich abzugeben, zwar „hüllenlos“ und auf durchsichtigem Celluphan geschrieben … aber Schwamm drüber!

Wir entschliessen uns zunächst mal Ruhe zu bewahren und statt montags zu Gericht, besser zu unserem neuen Anwalt zu gehen. Der meinte auch gleich, dass dies so besser war und lässt bei Gericht anrufen und einen neuen Termin vereinbaren. Dann nimmt er die Fakten auf, wobei wir ihm zum Schluß noch Bilder des Unfalls den Nong baute, gaben (er fuhr rückwärts an die Mauer einer Kirche, zum Glück ohne Schädigung Dritter, dafür aber ordentlichem Schaden an unserem Auto). Der Anwalt meinte dass die Bilder gar nicht mehr notwendig seien, da Nong auch so eindeutig seine Aufgaben schwer verletzt hätte.

Da man mich vorher warnte wegen „Du hast keinen Vertrag, da zahlst Du sofort das 13.+14. Gehalt nach und obendrein musst Du eine mehrmonatige Abfindung bezahlen!“, fragte ich den Anwalt deswegen. Doch der wischt das sofort vom Tisch, da für diese Tätigkeit kein Vertrag erforderlich sei und auch kein 13. Gehalt! Es ist eben doch ein Unterschied, ob ich als Privatmann einen Fahrer habe oder als Firma Mitarbeiter einstelle!

So meinte er weiter: „Wir werden den case gewinnen, Nong bekommt in dieser Konstellation absolut kein Recht! Niemals!“

Ich beginne zu strahlen, doch der weitere Tonfall des Anwalts gefällt mir gar nicht …

„Aber, Nong verliert sein Gesicht dabei. Und dann stellt sich die Frage: Willst Du Frieden und bezahlst dem freiwillig eine Abfindung oder lässt Du es darauf ankommen ihm so mal zufällig zu begegnen – oder Deine Kinder?“

„Oops, Shit happens!“ denke ich mir und sage zum Attorney „Und ob ich dummer Ausländer mein Gesicht dabei verliere, da der Trottel mein Auto kaputt macht, was ich selbst zahlen muss und dem Idiot dafür noch ein Trinkgeld geben soll? Das interessiert dann aber keinen?“

„Ich verstehe Dich. Deshalb habe ich Dir gleich beide Varianten genannt! Das musst Du entscheiden.“

„Was würdest Du tun?“ will ich von ihm wissen.

„Ich würde ihm 3.000 Pesos Entschädigung für seine Auslagen anbieten. Im Gegenzug unterschreibt er eine Verzichtserklärung auf alle Ansprüche!“

Nachdem Nong bereits seit Tagen uns vom Taxi aus belauert, indem er immer wieder am Hause in einer Sackgasse ohne erkennbaren Grund vorbei fährt und ab und zu mit den ehemaligen Kollegen auf der Nachbarschaft Karten spielt, damit er uns besser „kontrollieren“ kann, sage ich zum Attorney „OK, so machen wir es. Aber dann unterschreibt er auch gleich mit, dass er in unserer Subdivision nichts mehr zu suchen hat und nur mit Fahrgästen in diese reinfährt!“

„Das können wir so vereinbaren, ist ok.“ meint der Anwalt.

Zwei Wochen später ist der neue Gerichtstermin. Auf Anraten des Anwalts bleibe ich zu hause, um nicht die 3.000 Pesos leichtfertig zu verspielen, da man nicht weiß ob Nong nicht doch noch irgendwelche Mitstreiter zum „Foreigner-Ausnehmen“ vor Gericht bekommt! Meine Frau geht mit dem Anwalt zum Gericht und wartet und wartet … Der Anwalt hat aber auch nicht so viel Zeit und Geduld, so geht er zur Sekretärin des Richters. Man kennt sich und flachst und dann drängelt er doch wegen des Termins. Sie holt den Richter und der begrüßt den Anwalt auffällig herzlich.

Der Richter meint: „Da machen wir nur eine kurze Befragung, das reicht aus!“ Er lässt Nong beirufen und der trippelt bereits wie ein „begossener Pudel“ dazu. Er fragt Nong: „Was willst Du?“

„Ähm, ja …, ähm …. “ Nong bleibt seinem Gestottere treu.

„Was ist passiert, was möchtest Du hier?“ hakt der Richter nach.

Nong rappelt sich nach dieser Einschüchterung nochmal auf, nimmt seinen ganzen Mut zusammen und meint „Geld. Ein bisschen Geld. Die haben mich raus geworfen …“

Der Anwalt zählt Nongs Verfehlungen auf und sagt ihm: „Wenn Du für mich gearbeitet hättest, dann hätte ich Dich schon viel früher raus geschmissen! Und dann würden wir auch heute nicht hier zusammen sitzen. Du merkst gar nicht, dass Deine bisherigen Arbeitgeber sehr großzügig Dir gegenüber waren. Ich wäre das nicht gewesen!“

„Ich auch nicht …!“ ergänzt der Richter.

Nong zuckt zusammen. Er spürt, er steht mit dem Rücken an der Wand, ohne eine Befreiungsmöglichkeit! Der Moment des Gesichtsverlustes! Und der Anwalt packt gleich noch eine Schippe drauf …

(Fortsetzung folgt)