Reality-TV 2

Also informierten wir uns, was zu tun sei und gingen dann zum Anwalt, da nur ein Anwalt sowas einfädeln darf. Wir fragten ihn was konkret dafür zu machen sei. Bevor ich ihn nach dem Preis fragte, sagte ich ihm, dass ich bereits Rentner sei – auch wenn ich nicht für jeden erkennbar so aussähe – und nicht mehr arbeiten könne sowie nur über bescheidene finanzielle Mittel verfüge. Deshalb wäre es schön, wenn wir das Kind dennoch adoptieren könnten – aber wir müssen das nicht! Denn wenn die Gesamtkosten zu hoch werden, dann können wir uns eben das nicht leisten und müssten es dann sein lassen, was im Zweifel ja trotzdem ginge. Ich dachte mir, besser ich übernehme die Initiative der Preisverhandlung und erzähle ihm das vorab, als dass er einen „Foreignerpreis“ raushaut, von dem er ohne „Gesichtsverlust“, nicht mehr runter kommt.Und ich sollte Recht behalten. Er zählte die ganzen Kosten (externe Auslagen wie DSWD-Schmiergeld, 3 Zeitungsinserate, Gerichtsgebühr, usw.) auf und meinte, dass er selbst dann dazu noch normalerweise 50.000 PHP Honorar verlange. Aber er sähe und verstünde die Situation insgesamt und wird das Ganze (inkl. aller Hearings, etc.) für 30.000 PHP machen. Dennoch bat ich ihn um etwas Bedenkzeit, denn ich wollte noch ein Gegenangebot einholen.

Ich fragte einen anderen Europäer wegen des Namens seines Anwaltes, da ich von ihm wusste, auch in einem Adoptionsverfahren zu stecken. Er antwortete mir mit mehreren Gegenfragen und wollte sehr viel von mir wissen (Adresse, Telefon, Angebotshöhe, etc.). Es kam mir etwas „neugierig“ vor, fast als wolle er für sich ein Geschäft daraus machen, dennoch habe ich ihm relativ frei geantwortet. Am Folgetag meinte er dann, ich „dürfe“ seine Anwältin jetzt anrufen, er hätte sie informiert! Es roch geradewegs nach einem Mauschelgeschäft zwischen ihm und seiner Anwältin, aber schauen wir mal dachte ich mir. Jedenfalls machten wir einen Termin bei der Anwältin aus und fuhren dahin. Sie machte rein optisch vergleichsweise keinen „kämpferischen“ Eindruck, da ich davon ausging, dass auch für einen Anwalt auf den Philippinen eine Ausstrahlung von Vorteil sei. Sie erklärte uns ihr geplantes Vorgehen und wir registrierten bereits einige Unterschiede zu dem anderen Anwalt, bei dem wir zuvor waren. Auch preislich! Denn von Schmiergeld an den DSWD wollte sie gar nichts wissen – „da müssen sie nichts zahlen“, dafür wollte sie aber für jedes Hearing eine separate Zahlung zu ihrem Sockelbetrag und der lag ohnehin schon bei 32.000 PHP zusätzlich für 6-8 Hearings wie sie meinte jeweils 1.500 PHP. Wir baten um Bedenkzeit, doch eigentlich hat sie sich an der Stelle selbst rauskatapultiert!

Doch diese Hearings, also die einzelnen Gerichtsverhandlungen, sind die Geldquelle für die „schlechteren“ Anwälte. Denn als Beteiligter habe ich keinen Einfluss darauf und muss mich darauf verlassen, was mein Anwalt macht. Kennt er den Richter und lässt den dabei mitleben … wer weiss schon was da in den Nebenzimmern gemauschelt wird! Jedenfalls gibt es ja auch andere Wege und ich zahle einen Anwalt lieber nach (Erfolgs-)Ergebnissen, als nach seiner Zeit. Dieser Eindruck wird sich später noch bestätigen!

So trafen wir uns wieder mit unserem Anwalt. Wir vereinbarten den Auftrag und signalisierten ihm, dass wir uns mit ihm noch weitere Dinge vorstellten. So gab es damals einige anstehende Dinge, wie Klärung von Titeln und Urkunden, wo wir uns eine Unterstützung durch den Anwalt sehr gut vorstellen konnten, da man ohne Erfahrung hier Fehler mit großen Folgen machen kann. Auch ein ganz wichtiges Kriterium, welches die Entscheidung mit beeinflusste war, dass der Anwalt mehrere Jahre in der USA lebte und arbeitete und somit die Anforderungen eines „Westlers“ besser verstand. Auch in finanzieller Hinsicht. So gibt es nicht nur riesige Unterschiede im allgemeinen Rechtsverständnis, sondern auch im ganz normalen täglichen Umgang. Darüber ist er sympathisch und ein wirklich angenehmer Typ, den man jederzeit zur nächsten Familyparty einladen würde. Somit dachten wir an eine langfristige „Zusammenarbeit“, aber nicht daran, wie schnell diese denn wirklich beginnen sollte …

(Fortsetzung folgt)