Reality-TV 1

… oder die philippinische Gerichtsshow!

Wer eigene Kinder hat, ist meistens glücklich darüber. Wer sich welche wünscht und keine bekommt, wird manchmal glücklicher, wenn er welche adoptiert. Wir hatten bereits drei eigene Kinder, die Familienplanung auch abgeschlossen, doch dann dachten wir einem philippinischen Kind helfen zu sollen. Gut, wo drei Kinder groß werden, sollte ein viertes auch noch satt werden und so nahmen wir das Kind als „Pflegekind“ bei uns hier in Cebu auf. (weitere Hintergründe dazu siehe Buch) Mehr wollten wir zunächst gar nicht, allerdings wurden wir mit der Zeit sensibler auf die „speziellen“ philippinischen Gewohnheiten der Kind-Eltern-Beziehungen. „Utang na loob“ heißt da das Zauberwort. Eigentlich eine gute Sache, in einem Land ohne nennenswertem Sozialsystem. Denn die Kinder sollten sich um ihre Eltern später auch kümmern und diese wegen der nicht existierenden Rente versorgen. Soweit die Theorie.Aber die Praxis ist gerade in sozial schwächeren Familien doch leicht verzerrt. Denn welche Familie die ohne Geld dasteht, kann denn ihre 10 Sprösslinge in die Schule oder gar zur Universität schicken? Nun, wie auf der ganzen Welt, gilt auch in den Philippinen: ohne Ausbildung gibt es keinen ordentlichen Job und somit kein ausreichendes Einkommen, um neben den eigenen 10 Kindern auch noch die eigenen Eltern zu versorgen! Und so wundern sich die Menschen immer, wenn ihre 10 Kinder eben gerade mal 10 Hilfsarbeiter oder vielleicht sogar nur Bettler werden. Sollte eventuell einer doch das Glück haben und eine ordentliche Arbeit finden, dann wird er die volle Bandbreite von „utang na loob“ zu spüren bekommen, denn plötzlich wird er von der ganzen Großfamilie als Held verehrt und seine „Dankbarkeit“ eingefordert! Das gilt übrigens nicht nur in Familien mit ausländischem Anhang!

Dies schwebte auch in unserem Kopf umher und wir befürchteten, dass unser Pflegekind vielleicht einmal Probleme bekommen könnte. Uns ist klar, dass wir keine Dankbarkeit einfordern können und so tun wir dennoch für das Kind das selbe wie für unsere eigenen Kinder. Aber was passiert denn, wenn es seine Schule abgeschlossen hat, in den Beruf einsteigt und vielleicht auch Geld verdient? Vermutlich werden seine Mutter UND Geschwister sich ihres sogar gesetzlich verankerten Versorgungsprinzips erinnern (ja das gibt es! und ich komme später darauf zurück …), dass sie zwar ihrem Kind und Schwester nur Schmerzen und Leid zufügten, viel Arbeit für es hatten, kein Spielzeug, keine Medikamente, dafür aber viel Hunger … und das reichlich! Aber das ist dann wurscht, denn „jetzt ist Zahltag!“ Dies lässt sich sehr deutlich bei den allseits beliebten OFW-Arbeitern beobachten, die im Ausland buckeln und wenn sie nach hause kommen, dann gleich wieder auf die nächste „Baustelle“ gejagt werden. Wenn diese dann irgendwann zurückkehren, werden sie leider enttäuscht darüber sein, wie wenig Geld von einem langen Arbeitsleben übrig bleibt!

Bei uns wächst das Kind zwar mit anderen Maßstäben auf, dennoch müssen wir fürchten, dass der zuvor beschriebene Fall dann sein ganzes Leben zerstört? Deshalb hieß es für uns „Vorsorge ist besser als Nachsorge“, also Adoption und aus die Maus. Wir sprachen mit der Mutter des Kindes und sie war einverstanden, hat sie damit doch zumindest ein großes Familienproblem weniger und einen Esser weniger am Tisch. Ihr Mann, der NICHT der Vater ist, hat es sowieso nicht versorgt und wenn der Essen mit nach hause brachte, bekam das Kind doch NICHTS davon ab! Ein anderer Europäer sagte mir mal, dass dies kein Einzelfall sei und ihn dieses Verhalten sehr stark an männliche Löwen erinnere, die falls eine Löwin Junge hat, diese sogar töten um dem eigenen Nachkommen Vorteile zu verschaffen … Seine weiteren Vergleiche zur Natur, lasse ich lieber mal weg, obwohl da manches plausibel erscheint.

(Fortsetzung folgt)